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Risiko durch Tourismus

Weltärztechef Montgomery kritisiert Aufhebung von Reisewarnung

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery kritisiert den Kabinettsbeschluss für ein Ende der weltweiten Reisewarnung ab 15. Juni. "Das ist ein verfrühter Schritt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds. Durch den Tourismus werde wieder ein neues Risiko entstehen, "dass Menschen aus anderen Ländern das Virus einschleusen".

Zuvor hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärt, dass Reisen innerhalb Europas ab dem 15. Juni wieder möglich sein sollen, falls die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie es zulässt. Es soll allerdings "differenzierte Reisehinweise" für einzelne Länder geben.

Der Beschluss sei in zweierlei Hinsicht kritisch, sagte Montgomery. "Wenn jetzt Tagestouristen aus England, Frankreich oder Spanien nach Berlin oder Hamburg strömen und schnell zurückkehren, gibt es keine Chance festzustellen, ob sie das Virus wieder eingeschleppt haben." Auch scheine es auf den ersten Blick unbedenklich, aus Deutschland in ein Land mit wenigen Infektionen zu reisen, etwa nach Portugal. "Aber wenn dort in der benachbarten Strandburg eine Familie aus England oder Spanien urlaubt, die Kinder gemeinsam spielen, man sich abends im Restaurant bei einer Flasche Wein begegnet, kann es rasch zu Ansteckungen kommen."

Traditioneller Urlaub sei angesichts der bestehenden Virus-Gefahr "einfach nicht möglich", betonte Montgomery. "Ich kann an die Menschen nur appellieren, trotz Grenzöffnungen innerhalb des eigenen Landes Ferien zu machen." Dort könne man besser auf sich und andere aufpassen als in einem Land, in dem "Sprach- und Kulturdifferenzen das Einhalten der Regeln erschweren".

KNA

03.06.2020 - Corona , Medizin , Reise