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Nördlinger Sozialmarkt zieht seit 15 Jahren viele Kunden an

Das Rieser Kaufhaus CaDW

NÖRDLINGEN – Das KaDeWe (Kaufhaus des Westens) kennen viele als Berliner Einkaufsparadies. Auch in Nördlingen gibt es ein CaDW: Vor 15 Jahren öffnete das Sozialkaufhaus mit Kleiderladen seine Türen in der Drehergasse. Es ist seitdem eine wichtige Anlaufstelle für alle Bedürftigen mit Berechtigungsschein aus Nördlingen und dem Ries, um Lebensmittel und Bekleidung zu kaufen. 

CaDW, das ist eine Wortschöpfung aus Caritas und Diakonischem Werk, die das Kaufhaus als Träger ins Leben gerufen haben. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern der beiden Sozialdienste sind gut 60 Ehrenamtliche regelmäßig im Einsatz. 

„Ohne die würde es nicht funktionieren“, sagt der Koordinator des ökumenischen Projekts, Martin Schröppel. Viele Helfer sind seit Jahren oder gar von Anfang an mit im Boot, sammeln Lebensmittel bei Supermärkten und Bäckereien, sortieren gespendete Kleider und verkaufen an den Öffnungstagen dienstags und donnerstags. 

Alleinstehende, Paare und Familien zählen zu den Kunden des CaDW. „Insgesamt haben wir rund 600 Berechtigungsausweise ausgestellt, nachdem die Bedürftigkeit festgestellt wurde“, erklärt Susanne Vogl von der Caritas Donau-Ries. Rund 150 Kunden kommen pro Woche in den Laden. Sie sind berechtigt, dort für eine Pauschale von drei Euro einen Korb voll Lebensmittel einzukaufen. 

Zu den ehrenamtlichen Helferinnen der ersten Stunde gehört Gabriele Rollbühler aus Alerheim. „Dass gute Sachen weitergegeben werden und sie damit eine Wertigkeit erfahren, dieser Gedanke gefällt mir“, sagt sie. Sie sei „von der alten Schule“ und werfe ungern etwas weg, das noch zu gebrauchen ist. Alle 14 Tage verkauft sie dienstags im Kleiderladen im ersten Obergeschoss die Ware aus Kleiderspenden, berät und gibt Tipps, wenn Kunden etwas Bestimmtes suchen. „Ich habe große Freude daran, wenn sich andere freuen“, sagt Rollbühler über ihre Motivation. 

Auch Hannelore Pommer aus Dürrenzimmern engagiert sich gerne im sozialen Bereich. „Ich halte das Thema für sehr sinnvoll. Es wird zu viel produziert und weggeworfen. Das muss nicht sein“, erklärt sie. Das CaDW mit der Tafel schafft einen Ausgleich zwischen Überfluss und Mangel. Einwandfreie Lebensmittel, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkauft werden, kommen im CaDW ins Regal. Die sozialen Kontakte und die Gespräche sind Hannelore Pommer wichtig: „Wir sind nahe dran an den Menschen.“ Bei vielen Kunden würde es am Monatsende mit dem Geld knapp werden, wenn sie nicht im CaDW einkaufen könnten, weiß sie aus Gesprächen.  

Auch die Fahrten zu Supermärkten, um dort Lebensmittel abzuholen, übernehmen Ehrenamtliche. Hans Fellner aus Nördlingen und Hannelore Mayer aus Herblingen sind ein eingespieltes Team. Immer am Montagnachmittag fahren sie nach Harburg und Wemding und laden in ihren Transporter ein, was im Supermarkt nicht mehr verkauft werden kann oder darf. „Man muss ein bisschen anpacken können und freundlich auftreten“, sagt Mayer, die die Idee der Tafel schon immer gut fand. Fellner, der bis zur Rente als Vertriebsleiter in einem Großhandel gearbeitet hat, ergänzt: „Ich bin ein gesprächiger Mensch und habe im Leben so viel Glück gehabt, da will ich gern etwas zurückgeben.“ 

Schröppel ist stolz auf die CaDW-Truppe. „Ohne das große Engagement unserer Helfer könnten wir zusperren“, sagt er. In der Corona-Zeit seien einige Ehrenamtliche abgesprungen, so dass man jetzt dringend neue Helfer suche. Aktuell könne das CaDW kein frisches Obst und Gemüse anbieten, weil der Arbeitsaufwand für die reduzierte Mannschaft zu groß sei. 

Auch im Hinblick auf die Herausforderungen durch Geflüchtete aus der Ukraine wünschen sich die CaDW-Verantwortlichen Zuwachs. „Wenn wir noch mehr Leute hätten, könnten wir das Angebot wieder aufstocken“, sagt Schröppel. 

Christina Zuber

20.04.2022 - Bistum Augsburg