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Diözesanmuseum St. Afra zeigt Marienbildnisse auf Münzen

Den Prägestempel aufgedrückt

AUGSBURG – Golden, silbern und kupfern glänzt es aus den Vitrinen im Diözesanmuseum Augsburg: In einer außergewöhnlichen Sonderausstellung werden dort derzeit Münzen aus Vorderasien und Europa präsentiert, alte und neue Stücke aus über 1000 Jahren. Der Titel „Mariengeprägt“ gilt in zweifacher Hinsicht: Die einzigartige Sammlung mit Münzen, denen Marienbildnisse aufgeprägt sind, führt auch vor Augen, wie die Gottesmutter der Geschichte „ihren Stempel aufgedrückt“ hat.

Über Jahrzehnte hinweg hat der Augsburger emeritierte Dogmatiker Professor Anton Ziegenaus Münzen mit Marien­bildern gesammelt. „Eine der ältesten, die der leidenschaftliche Sammler erworben hat, stammt aus dem zehnten Jahrhundert und ist eine Marienmünze mit einem Gedicht“, erklärt Renate Mäder, die Kuratorin der Ausstellung.

„Jungfrau, du Vielgepriesene, wer auf dich hofft, gewinnt alles“, heißt es in der Umschrift. Auf der Vorderseite der Münze ist die Gottesmutter mit Kind nach Art der damals verehrten Ikonen zu sehen. Die Rückseite zeigt den byzantinischen Kaiser Romanus III. Argyrus, der darauf hinweist, dass er von Maria selbst die Kaiserwürde empfangen hat. 

Schutz der „Hohen Frau“

So sahen es auch die Wittelsbacher, die in Bayern ihre Herrschaft als Herzöge, Kurfürsten und Könige ausübten. Über die Jahrhunderte schmückten Mariendarstellungen ihre Münzen. Viele zeigen das Konterfei des Fürsten, dessen Herrscherwürde unter dem Schutz der „Hohen Frau“ steht. Oftmals sieht man auch das Rautenwappen. 

So ließ beispielsweise Herzog Albrecht IV. 1506 einen Gold­dukaten mit der thronenden Madonna prägen, auf ihrem Schoß das Jesuskind. Dieses segnet den Harnisch tragenden Wittelsbacher. Des Herzogs ganz persönliche Anrufung steht in der Umrandung: „O Maria ora pro me“ – O Maria, bitte für mich.

Nicht alle Münzen beziehungsweise Medaillen in der Sammlung sind rund. Es gibt viereckige, sogenannte Klippen, sieben- und achteckige und schüsselförmige. Außerdem besonders große und schwere Exemplare wie die 50-Diners-Münze aus Andorra, die 155,5 Gramm wiegt. Dagegen misst das kleinste Stück der Sammlung gerade mal zwölf Millimeter: ein Sechsteldukat von 1728, der aus Ungarn stammt. 

Auch die Bischofsstadt Augsburg ist mit einer eigenen Prägung vertreten: einem prächtigen Taler von 1681 aus der Prägestätte des Bischofs Johann Christoph von Freyberg. Abgebildet ist Maria als Himmelskönigin mit der Umschrift: „schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne“. Der bischöfliche Stempelschneider war einer der berühmtesten Meister seiner Zeit: der Augsburger Goldschmied Philipp Heinrich Müller. Eine große Seltenheit ist ein Taler aus Eichstätt. Davon wurden nur 1000 Stück geprägt – die meisten davon wurden später eingeschmolzen. 

Jede der in der Ausstellung gezeigten Münzen erzählt eine Geschichte: Eine unscheinbare achteckige Alu-Münze von 1921 zeigt auf ihrer Vorderseite die Schmerzensmutter. Als Vorlage diente eine Skulptur eines unbekannten Meisters um 1510. Mit diesem Alu-Geld bezahlten vor 100 Jahren die Fahrgäste eine Fahrt mit der Straßenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. 

Engel mit dicken Backen

Prächtiger ist dagegen ein arabischer Bronze-Dirhem aus dem zwölften Jahrhundert, der die Krönung eines – man glaubt es kaum – muslimischen Herrschers durch Maria zeigt. Doch eine der kuriosesten Münzen dieser Ausstellung wurde anlässlich einer Pest­epidemie in Venedig geprägt: Über einem Baum, aus dem Myrrhetropfen fallen, thront die Muttergottes im Strahlenkranz mit dem Jesuskind. Neben ihnen blasen Engelchen mit dicken Backen reine Luft in die verseuchte Welt. Auf der Rückseite trägt das Geldstück das Wahrzeichen Venedigs, den geflügelten Markuslöwen. 

Die umfangreiche private Münzsammlung zeigt auf beeindruckende Weise, wie die Gottesmutter in den verschiedensten Ländern und durch alle Zeiten geehrt und verehrt wurde. Das führte sogar zu ungewöhnlichen Behandlungsmethoden: „Die Madonnentaler wurden gerade auch in Bayern als Medizin verwendet“, erklärt Kuratorin Mäder. „Kleine Mengen Silber schabte der Kranke von der Muttergottes ab und nahm es ein oder gab es auf die Wunde.“ 

So ist in der Schau, die im Diözesanmuseum St. Afra noch bis zum 10. Januar präsentiert wird, für informative, unterhaltsame Stunden gesorgt. Vieles gibt es darin zu sehen und zu entdecken: ganz ungewöhnliche und unerwartete Mariendarstellungen ebenso wie die bis heute weltweit in Gnadenbildern verehrte Gottesmutter. Junge und jung gebliebene Besucher können an einer ganzen Reihe von Mitmachstationen Neues und Spannendes erfahren. Sie können ihr Wissen unter Beweis stellen und auch selbst eine Münze prägen.

Ingrid Paulus

Information: 

Die Ausstellung im Diözesanmuseum St. Afra ist geöffnet: Dienstag bis Samstag 10-17 Uhr, Sonntag 12-18 Uhr. Eintritt: 5, ermäßigt 4 Euro. Das Veranstaltungsprogramm findet sich im Internet unter www.museum-st-afra.de.

26.10.2020 - Bistum Augsburg , Kultur