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Diözesanrat

„Der Wunschzettel des Bischofs“

AUGSBURG – Ort, Zeit und Umstände waren geradezu historisch: Nur Stunden vor dem Lockdown in Augsburg schwörte Bischof Bertram den Diözesanrat auf die Zukunft nach Corona ein. Was er dem Gremium in der Basilika Sankt Ulrich und Afra, an der Grablege des Bistumspatrons, zu sagen hatte, war ihm so wichtig, dass er strengen Sicherheitsregeln den Vorzug vor einer Absage gab: „Sozusagen der Wunschzettel des Bischofs“, lud er die Räte bildlich zum Predigtgespräch ein.

Sonst ein eher kurzer Redner, kündigte Meier eine lange, wichtige Ansprache an: 37 Minuten lang zeigte er vier „Pisten“ auf, die für die Zukunft der Diözese entscheidend seien. „Viele von uns leiden an Corona-Ermüdung. Auch von einem Lockdown der Seele ist die Rede. Die Einschränkungen, mit denen wir derzeit leben müssen, sind chronisch geworden“, begründete der Bischof die aufrüttelnde Predigt.

1. Geweihte Amtsträger

„Für den Getauften reicht es nicht, seine Kirche nur zu ,besuchen‘“, sagte der Bischof. Jeder sei Mitglied der „Pfarrfamilie“. Priester und Laien seien „nicht Konkurrenten, sondern Partner“. Gleichwohl müssten beide ihre Aufgabenfelder bewusst wahrnehmen und nicht verwischen: So erfreulich es sei, dass Frauen und Männer beim Gottesdienst mitwirken, so sei ihre Hauptaufgabe die Evangelisierung in Kultur, Arbeit, Wissenschaft, Medien, Politik und Wirtschaft. „Wo jedoch Laien in priesterliche Rollen schlüpfen und umgekehrt Priester den Eindruck erwecken, sich den Laien angleichen zu sollen, besteht die Gefahr, dass die gegliederte Einheit in ein unterschiedsloses Einerlei verflacht.“

2. Sonntagsgottesdienste

Ein zweites, zentrales Anliegen war dem Bischof die bewusste Feier der Sonntagsgottesdienste. Wie bei der Chrisammesse angekündigt, werde er die Beschlüsse der Diözesansynode 1990 umsetzen und dort Wortgottesdienste anbieten, wo der Priestermangel am Sonntag nichts anderes zulässt. Evangelisierung und Sakrament seien gleichwertig, das Wort Gottes nicht nur „Aperitif“. 

Auch den Diözesanräten war das Thema sehr wichtig, wie eine Reihe von Fragen beim Predigtgespräch zeigte. Bischof Bertram betonte, er werde „kein Patentrezept“ anwenden, sondern regional passende Lösungen suchen. Auch bat er darum, Gottesdienste inhaltlich richtig zu bewerten. Bei allem Wunsch nach Attraktivität: Es gehe nicht um „Action“, sondern darum, „dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wie Himmel und Erde sich berühren“. 

3. Synodale Kirche

In Anlehnung an den Synodalen Weg auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz lenkte Meier den Blick darauf, was schon seit Johannes Chrysostomus (viertes Jahrhundert) synodale Kirche ausmache: „Synode ist nicht die gelegentliche Versammlung von Bischöfen, sondern die alltägliche Lebensform der Kirche.“ Diese Lebensform habe ihre Quelle weniger in Sitzungen und Strukturen als im Heiligen Geist, in Christus und in der Eucharistie. Es gehe um ein echtes, tiefes Miteinander, Zuhören und Hinhören.

4. Kirche nach Corona

„Was können wir aus der Corona-Pandemie lernen“ – diese Frage stellte der Bischof an den Schluss seiner Ausführungen. Nicht um Zweitrangiges gehe es, etwa Hand- oder Mundkommunion („Das ist keine Glaubensfrage“) oder wer an Ostern die Speisen segnet, sondern um einen „neuen Tiefgang“. So sei die wieder entdeckte Hauskirche eine ganz wichtige Erfahrung gewesen und die Pandemie „eine Zeit zum Zwischenruf: Ihr könnt nicht so weitermachen wie zuvor!“ Es gelte, gemeinsam nach den richtigen geistlichen Angeboten und einem Weg zu suchen, mit dem auch Kirchenferne erreicht werden können.

Eine zentrale Rolle nahm die Pandemie auch im Bericht von Vorsitzender Hildegard Schütz ein. Vieles – selbst das 50-jährige Bestehen des Rates – ging Corona-bedingt ziemlich unter. Dort, wo die Priester nah bei den Menschen wirkten, seien die Einschränkungen am besten bewältigt worden. Für die Frühjahrs-Versammlung kündigte Schütz die Lehren aus der Pandemie als Schwerpunkt an. Das diesmal geplante Thema – Digitalisierung – fiel samt dem zweitem Sitzungstag Corona-bedingt aus.

Personelle Premiere

Doch das mit Masken ausgestattete, dünner als sonst und mit großem Abstand besetzte Gremium hatte auch Grund zur Freude: Der neue bischöfliche Beauftragte, Domdekan Monsignore Wolfgang Hacker, war erstmals dabei und stellte sich den Räten mit viel Humor vor. 

jm

04.11.2020 - Bistum Augsburg , Laien