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Kippa und Birett

Feine Auswahl aus der Sammlung geistlicher Kopfbedeckungen

NEUBURG/DONAU – Die Sammelleidenschaft erfasste Dieter Philippi, als ihm vor mehr als 20 Jahren beim Bummel durch Rom in einem Schaufenster ein Kardinalsbirett in schimmernder roter Seide ins Auge fiel. Er betrat das Geschäft für klerikale Kleidung und fragte, ob er das Birett kaufen könne.

Seitdem hat der Saarländer rund 600 Kopfbedeckungen zusammengetragen, nach seiner Aussage die weltweit größte Sammlung geistlicher Kopfbedeckungen. Seine ersten Stücke stammten aus dem Christentum, später kamen Exponate aus anderen Religionen dazu, mit denen er sich dann auch inhaltlich auseinanderzusetzen begann. „Ich bin über die Hüte zum Inhalt gelangt“, erzählt er. Im Neuburger Stadtmuseum zeigt er in der Sonderausstellung „Hut auf zum Gebet“ sozusagen ein „Best of Philippi“ und nimmt Ausstellungsbesucher zu einer „Mini-Rundreise durch die Weltreligionen“ mit. 

Zu den Prunkstücken gehört ein Capello Romano, scherzhaft auch Don-Camillo-Hut genannt. Der rote, goldverzierte Strohhut mit Hutband und Innenfutter aus roter Seide dient dem Papst als Sonnenhut. Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil trugen ihn auch Kardinäle. Wer kennt sie nicht, die berühmten roten Schuhe des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Loafer genannt? Natürlich wurden die Exemplare im Museum nicht vom Papst getragen – Philippi sammelt in erster Linie neue Vergleichsstücke, es geht ihm nicht um Personenkult oder einen fiktiven Wert, den ein Kleidungsstück durch seinen Träger erhält. 

Vielmehr versucht er, Ähnlichkeiten der Religionen miteinander, aber auch deren Unterschiede aufzuzeigen. Dass die Papstschuhe seit Jahrhunderten rot sind, erklärt der Sammler damit, dass Rot nicht nur eine teure Farbe, sondern die Farbe der Mächtigen war und zudem für das Blut der Märtyrer stehe. Die Vitrine gegenüber beherbergt drei verschiedene Birette.

Auch wenn Philippis Exponate bis auf wenige Ausnahmen wie das ebenfalls in Neuburg gezeigte Zucchetto (Scheitelkäppchen) von Papst Benedikt XVI. mit Echtheitszertifikat von Papstsekretär Georg Gänswein ungetragen sind, erzählen sie doch jede Menge Geschichten. Mal wurde Philippi von einem orthodoxen Geistlichen verdächtigt, er wolle sich verkleiden oder gar einen terroristischen Anschlag unter orthodoxer Kopfbedeckung begehen, ein anderes Mal wartete er jahrelang auf einen Turban mit Seidenkrönchen, das der indische Mönch aus Angst vor Transportschäden schließlich in einem eigens angefertigten Holzkästchen verschickte.

In Neuburg zeigt der 56-jährige Sammler die reich verzierte Emma, die der koptisch-orthodoxe Metropolit Bakhomios von El Beheira Damanhour während der Krönung von Papst Tawadros II. am 18. November 2012 trug. Zu den Prachtstücken gehört auch eine weiße, mit goldfarbenen Borten, Metalldrähten, Bouillon und Kunststeinen reich verzierte Mitra. 

Das Judentum ist mit einem Schtreimel, der Kopfbedeckung chassidischer Juden am Sabbat und an Festtagen, sowie einer Kippa vertreten. Imam Sarik heißt die Kopfbedeckung der Imame und Vorbeter im Islam. Bis 1980 waren sie grün, heute sind sie mehrheitlich rot. 

Der ranghöchste Lama in Bhutan trägt den Tendrel Uesham, an dessen Spitze eine Kaurimuschel befestigt ist. In ihr kann sich die Seele des Trägers verstecken, sollte sie von bösen Dämonen angegriffen werden. Weitere exotische Exponate sind eine Lotuskrone und ein Hiep Chuong Mao, die Kopfbedeckung des Zensor-Kardinals im Caodaismus. 

Diese Religion mit etwa vier Millionen Anhängern bezeichnet Philippi als Rosinenpicker – sie habe sich aus allen Religionen „das Beste“ geholt, aus der katholischen Kirche beispielsweise die Hierarchie. „Ich bin praktizierender Katholik“, sagt Philippi, „wenn ich aber keine Religion hätte und eine wählen wollte, dann würde ich mich für Bahai scheiden, eine absolut tolerante Religion“. Andrea Hammerl

Information:

Bis Sonntag, 2. Dezember, im Stadtmuseum Neuburg/Donau zu besichtigen, täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Internet www.dieter-philippi.de.