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Mit Bischof Bertram gefeiert

Pfarrei St. Jodok in Senden wurde vor 100 Jahren gegründet

SENDEN – Im Vergleich zur Zeit  ihres Kirchenpatrons St. Jodok, der etwa 600 bis 669 nach Christus in der Bretagne lebte, ist die gleichnamige Pfarrei Senden im Landkreis Neu-Ulm mit gerade mal 100 Jahren sehr jung. Ihren runden Geburtstag feierte sie am Gedenktag ihres Patrons in einem festlichen Pontifikalamt mit Bischof Bertram Meier. 

Die frühere Pfarrkirche im neoklassizistischen Stil genieße heute den Ruf einer Tauf-, Hochzeits- und Beerdigungskirche, auch im ökumenischen Sinn, hob Claudia Schäfer als Bürgermeisterin der Stadt hervor. Das nahm Bischof Bertram zum Anlass, „diese Stationen im Leben eines Menschen“ mit denen Jodoks zu vergleichen: „Der heilige Jodok, ein Blaublütiger, hat die Krone gegen den Pilgerhut mit Muschel eingetauscht.“ Damit zeige er, dass der Lebensweg eine weite Reise von der Erde zum Himmel sei, aus der Zeit in die Ewigkeit. 

Der bretonische Fürstensohn wurde Pilger, Priester und Einsiedler. Die zu den Füßen abgelegte Krone ist sein Attribut. Jodok wurde im Mittelalter höchstes Ansehen zuteil, was ein Hinweis auf die Entstehungszeit des Jodok-Kirchleins sein könnte. 

Dessen erste Erwähnung und damit auch die der ärmlichen Siedlung erfolgte im Jahr 1433, als Graf Eberhard IV. von Kirchberg „eine ewige Meß in die Kapelle St. Jost in Senden“ stiftete. Die seelsorgerliche Betreuung kam aus Illerzell. 1592 wird den drei Altären der Chorturmkirche ein schlechter Zustand bescheinigt, wofür das offenbar finanzkräftigere, ebenfalls entfernte Witzighausen Unterstützung leistete. 

1594 ist zu erfahren, dass die Kapelle zwar keinen Taufstein, aber doch einen Friedhof und ein Beinhäuschen besäße. 1612 wird von Glocken berichtet sowie einer engen, feuchten Sakristei. Im 30-jährigen Krieg brannte die Kapelle aus. 

Den Wiederaufbau von St. Jodok 1658 bewerkstelligte ein Pfarrer vom Nachbarort Wullenstetten. 1661 wurde Senden mit der dortigen Mutterpfarrei vereinigt. Wullenstetten untersteht bis heute dem Patronat der Grafen Fugger von Kirchberg.  Als die Sendener vor 100 Jahren eine eigene Pfarrei werden durften, erbten sie dieses Patronat mit. 

Bis zur Gründung 1921 war es ein mühseliges Vorankommen: 1745 zählte das Dorf 300 Einwohner. 1788 wurde St. Jodok zur Lokalkaplanei erhoben. 1862 wurde daraus eine Pfarrkuratie. 1900 war Senden auf 533 Einwohner angewachsen und das Jodokkirchlein zu klein geworden. Auch das Aufheim zugeordnete Nachbardorf Ay hatte Platzprobleme in seiner Kapelle, so dass unter Pfarrer Eduard Moog (1888 bis 1909) eine Umpfarrung von Ay nach Senden erfolgte. 

Das ersehnte Ziel war es, durch den Zuwachs eine Erweiterung von St. Jodok finanzieren zu können. 1908 war Baubeginn und noch im selben Jahr Firstfeier. Herausgekommen ist dabei ein apartes Zusammenspiel aus alter Bausubstanz und stilvoller Erweiterung im Neoklassizismus des beginnenden 20. Jahrhunderts: Der Chor im Turm wurde zur Kapelle, das verkürzte Kirchenschiff zum neuen Altarraum. Daran wurde ein architektonisch reizvolles Kirchenschiff – Bischof Bertram sprach vom „Königssaal“ – angebaut. 

Der mit bestehendem Inventar und von Malermeister Kutroff durchgeführten klassizistischen Innengestaltung war keine lange Lebensdauer beschieden. Infolge der Neuerungsbestrebungen der 1970er Jahre wurde entkernt, übermalt und Inventar verbrannt. Bereits 1986 kam es zum Rückbau, wobei Altäre und Kanzel aus der abgebrochenen Kirche in Seifriedsberg Verwendung fanden.

Regina Langhans