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Verfolgte Christen

Wegen ihres Glaubens ermordet und gefoltert

AUGSBURG – Die Heimkehr der Christen in die Ninive-Ebene stand im Mittelpunkt des Tags der Solidarität für verfolgte Christen, der zum zehnten Mal stattfand. Die Diözese Augsburg und die deutsche Zweigstelle des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ hatten zu der Veranstaltung und einem anschließenden Kreuzweg im Hohen Dom eingeladen. 

Vertreter christlicher Kirchen, Priester, Ordensleute, Politiker und Interessierte nahmen am Solidaritätstag teil. Florian Ripka, Geschäftsführer von Kirche in Not Deutschland, begrüßte sie im Haus St. Ulrich. Prälat Bertram Meier, Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog in der Diözese, erklärte: „Wir wollen der Menschen gedenken, deren Einstehen für den Herrn lebensgefährlich ist“, sagte er und bat die Anwesenden: „Werden Sie zu Multiplikatoren!“

In einem Podiumsgespräch mit dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ berichtete der syrisch-katholische Priester Georges Jahola aus Karakosch im Nordirak über die Situation der Christen, die in die Ninive-Ebene zurückgekehrt sind, nachdem sie 2014 vor dem Terror des sogenannten Islamischen Staats geflohen waren. Vorher lebten dort rund 50 000 Christen, jetzt sind es etwa 26 000. Der IS hat 13 000 Häuser und die Kirchen zerstört.

Unter der Verantwortung von Father Georges und mit finanzieller Unterstützung von außen werden jetzt 7000 Wohnhäuser wieder aufgebaut. Dazu wurden 2000 Handwerker aus der Region beauftragt.Auch viele Ehrenamtliche engagieren sich. „Eine staatliche Hilfe gibt es nicht“, berichtete Jahola, und es bleibe die Sorge, ob neue Strukturen der Gewalt entstehen könnten. „Aber wir haben Verantwortung, Mut und Hoffnung“, erklärte er.

Berthold Pelster, Menschenrechtsexperte von Kirche in Not, sprach über andere aktuelle Brennpunkte, an denen Christen in große Bedrängnis sind. Er nahm Ägypten, Indonesien, Nigeria und Nordkorea  besonders in den Blick.

Der Tag der Solidarität sollte auch einen geistlichen Akzent haben und nicht nur eine Informationsveranstaltung sein, betonte Prälat Meier. Deshalb gingen die Teilnehmer gemeinsam vom Haus St. Ulrich zum Dom, wo ein Kreuzweg für die verfolgte Kirche gebetet wurde.

„Im Namen Gottes gibt es keinen Krieg. Religionsfreiheit gilt für alle“, betonte Meier in seiner Ansprache. Jesu Kreuzweg gehe weiter, Christen in vielen Teilen der Welt würden benachteiligt, bedrängt, sogar verfolgt. „Alle fünf Minuten wird heute ein Christ aufgrund seines Glaubens ermordet“, sagte Meier. 

Die Zahl stamme aus einer aktuellen Meldung von Radio Vatikan. „Diskriminierung, Benachteiligung, Gefährdung für Leib und Seele, Zwangskonversion und Vergewaltigung herrscht vor allem in den Ländern, die sich zum Islam als Staatsreligion bekennen. Christen werden dort als Religionsgemeinschaft angesehen, die nicht zur Mitte der Gesellschaft gehört und damit ausgegrenzt wird. Das kann so weit gehen, dass Christen in manchen Landstrichen eliminiert werden“, erklärte Meier.

Er machte deutlich: „Wo Christen unterdrückt und verfolgt werden, da dürfen ihre Glaubensgeschwister in den Ländern, wo Freiheit herrscht, nicht schweigen. Wir Christen in Deutschland haben nicht nur die Pflicht, anderen Religionen ihr Recht auf Entfaltung zuzusprechen. Wir stehen auch in der Pflicht, zur Sprache zu bringen, wo unseren christlichen Schwestern und Brüdern dieses Recht auf Religionsfreiheit vorenthalten wird. Wir sind Sprachrohr der vielen stummen Christen, die in ihren Ländern keine Stimme haben. Das ist Ökumene der Solidarität.“

Wenn Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam zu leiden hätten, die einen an der Seite der anderen, und einander in brüderlicher Liebe Hilfe leisteten, verwirkliche sich eine Ökumene des Leidens und eine Ökumene des Blutes, die eine besondere Wirksamkeit besitze. Nicht allein für die Zusammenhänge, in denen sie stattfinde, sondern dank der Gemeinschaft der Heiligen auch für die gesamte Kirche, sagte Meier. Roswitha Mitulla