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Partei plant Volksabstimmung

Auch nach Baustart Kontroversen um Prager Mariensäule

In Tschechien sorgt der Beginn der Arbeiten zur Wiedererrichtung der 1918 geschleiften Mariensäule auf dem Prager Altstädter Ring weiter für öffentliche Kontroversen. Unter anderem rief ein Tweet des Prager Kardinals Dominik Duka Reaktionen hervor, in dem er versicherte, den Bau der Säule mit seinem Gebet zu begleiten.

Von „ein Schritt vorwärts aus der Geschichte“ bis zu Erstaunen über die Wiederrichtung einer Mariensäule im „atheistischsten Land“ Europas reichen die Meinungen. Auch politisch dauert die Debatte um das Bauwerk an. So sammelt die Kommunistische Partei in Prag Unterschriften für die Abhaltung einer Volksabstimmung über die Mariensäule.

Mehrere Politiker erschienen zum Baubeginn auf dem Altstädter Ring, wie tschechische Medien berichten; darunter der Sprecher von Staatspräsident Milos Zeman, Jiri Ovcacek, oder Patrik Nacher von der Partei ANO von Ministerpräsident Andrej Babis genauso wie Gemeinderat Jan Wolf von der christdemokratischen KDU-CSL, der die erfolgreiche Abstimmung über die Wiederrichtung der Säule im Stadtparlament initiiert hatte.

Ebenfalls anwesend waren Parteichef Jiri Pospisil von „Top 09“, das zusammen mit den „Piraten“ und zwei weiteren Parteien die regierende Stadtkoalition bildet. Pospisil versprach dem Bildhauer Petr Vana, sich für die Herausgabe einiger originaler Bestandteile der Säule durch das Nationalmuseum einzusetzen.

Die nun gestarteten Arbeiten für den Nachbau gelten zunächst der Auffindung der Fundamente der ursprünglichen Mariensäule. Zur Festlegung des exakten Standorts soll auch ein Astronom herangezogen werden, denn nach dem Schatten der Mariensäule war ursprünglich auch die „Prager Zeit“ gemessen worden.

Die neue Säule soll eine Inschrift erhalten, auf die sich die Tschechische Bischofskonferenz und der Ökumenische Kirchenrat geeinigt haben: „Diese Mariensäule wurde errichtet als Symbol von Versöhnung und ökumenischer Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in der Tschechischen Republik. Dies ist auch ein Ausdruck der Ehrerbietung an die Mutter Jesu Christi.“

Die Mariensäule des Barockbildhauers Johann Georg Bendl aus dem Jahr 1648 wurde 1650 zum Dank für den Sieg über die Schweden im Dreißigjährigen Krieg auf dem zentralen Platz der Prager Altstadt aufgestellt. 1918 wurde das 15 Meter hohe Werk von Bürgern als ein Symbol der Habsburgerherrschaft zerstört - fünf Tage, nachdem sich die Tschechoslowakei von Habsburg losgesagt hatte.

Nach der „Samtenen Revolution“ 1989 gründete sich eine Initiative zur Wiedererrichtung der Säule. Die Prager Stadtoberen verweigerten aber wiederholt die Zustimmung. Erst Ende Januar 2020 gab es dafür eine Mehrheit im Gemeinderat.

KNA

26.02.2020 - Architektur , Europa , Kardinäle