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Berliner Erzbischof verrät:

Kardinal Meisner zitterte in den Tagen vor dem Mauerfall

In den Tagen vor dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner offenbar eine bei ihm sonst ungewohnte Seite gezeigt. „Kardinal Meisner hatte Angst und zitterte. Was er selten tat. Er hatte Angst um die Menschen, dass es gewaltsam endet, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass die Machthaber einfach so nachgeben“, berichtete Berlins Erzbischof Heiner Koch, seinerzeit Priester in Köln, in Magdeburg.

Meisner, der im Februar 1989 von Berlin nach Köln gewechselt war, um dort Erzbischof zu werden, habe immer gesagt: „Die Berliner Mauer wird fallen. Aber nicht zu meinen Lebzeiten.“ Koch zufolge trieb die politisch brisante Zeit zum Ende der DDR, in der allgemein ein gewaltsames Eingreifen durch die SED-Führung befürchtet wurde, auch Meisner um: „Es beschäftigte ihn sehr die Frage, ob er in dieser Situation in den Westen habe gehen dürfen oder ob er nicht bei den Katholiken in der DDR hätte bleiben müssen.“

Koch äußerte sich bei der „pastorale!“ in Magdeburg, die bis Sonntag dort stattfand. Die kirchliche Fachmesse und Ideenbörse ist eine gemeinsame Initiative der fünf ostdeutschen Bistümer. Bei rund 100 Workshops, Vorträgen und Diskussionspodien steht die Rolle der Christen in einem säkularen Umfeld im Fokus. Die Veranstalter rechneten mit insgesamt 1.300 Teilnehmern.

KNA