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Prozession zu Christkönig

Fronleichnam im November

NANKA – Statt im Frühsommer halten die Katholiken im nigeria­nischen Nanka ihre Fronleichnamsprozession an Christkönig ab. Ein Grund dafür ist das Wetter – im Juni herrscht Regenzeit. Doch dahinter stecken auch kulturelle Motive: Früher feierte das Volk das „Ofalla Festival“ zu Ehren des Königs, um ihm Gefolg­schaft zu versprechen. Heute feiert es Christus als seinen König – mit einer farbenfrohen und fröhlichen Prozession.

Zwei Wochen lang bereiten sie sich auf den großen Tag vor: Etwa 40 Jungen und Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren treffen sich jeden Nachmittag auf dem Sportplatz. Unter der Anleitung von drei Jugendlichen wird stundenlang geübt. Die Lieder und die einzelnen Schritte und Bewegungen müssen stimmen. Jeder bekommt seinen Platz und seine Rolle zugewiesen. Auch wenn es manchmal ernst und streng zugeht, macht es den Kindern sichtlich Spaß. Es ist eben eine besondere Ehre, zu den „Blumenkindern“ zu gehören und ganz nahe beim König sein zu dürfen. 

Am Tag vor dem Fest werden eimerweise Konfetti und Grünzeug geschnitten, das für die lange Prozession reichen muss. Die weißen Kleider mit Schleier für die Mädchen und die weißen Anzüge für die Jungen werden frisch gewaschen und gebügelt. Alles ist bereit. Der ersehnte, große Tag kann kommen: „Christ the King – Christkönig.“ 

Schon während des Gottesdienstes haben die Kinder ihren besonderen Platz: Sie übernehmen die Lesungen und Fürbitten, tanzen zur Gabenprozession und auch während der Wandlung am Altar, wo sie schon Blumen gestreut haben. Zweieinhalb Stunden dauert die Messe – und dann kommt die Prozession. 

Bei glühend heißer Sonne formieren sich hunderte Menschen. Zunächst die Kreuzträger, gefolgt von den Kindern und Jugendlichen, den Vereinen und den Müttern in Tracht. Danach kommen die Blumenkinder, dann die Messdiener, die „Himmelträger“ und die Männer, ebenfalls in ihrer Tracht. Es ist ein fröhlich geordnetes Durcheinander, das aber eine gemeinsame Mitte hat: Christus, der König, gegenwärtig in der Monstranz, getragen von den zwei Priestern, die sich auf dem fast dreistündigen Prozessionsweg abwechseln. 

Fünf ohrenbetäubende Salutschüsse bilden den Auftakt zum „heiligen Lärm“. Jede der einzelnen Gruppen hat bestimmte Musikins­trumente – Trommeln, Pauken, Trompeten, Rasseln, Flöten und Gongs –, die im Wettstreit miteinander liegen. Der Chor singt hinter dem Allerheiligsten, die „Blumenkinder“ versuchen sich davor Gehör zu verschaffen: die Jungen mit Pistolen, Knallern oder Raketen – alles, um dem König zu huldigen. 

Freude am Katholischsein

An strategisch wichtigen Plätzen – Kreuzungen, Bars oder vor Sektenkirchen – wird auf einen Gongschlag hin der Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt. Das ist der Moment, für den die Blumenkinder so lange geübt haben. Sie streuen wie aus Raketen geschossen Konfetti und rufen dem König Freudenschreie zu. Alle Gläubigen wenden sich der Monstranz zu, winkend, schreiend, betend und tanzend: „Christus, unser König. Alle Macht, Ehre, Herrlichkeit, Anbetung dir allein.“ Eine fröhliche, ergreifende und tief religiöse Atmosphäre ist spürbar. Hier wird die Freude fassbar, katholisch zu sein.

So bewegt sich die Prozession unter den staunenden und neugierigen, vielleicht auch neidischen Augen der Nichtkatholiken langsam dem Hauptplatz entgegen. Vier Pfarreien von Nanka kommen zusammen, um im fröhlichen Miteinander dieses Fest des Glaubens zu beenden. 34 Priester, 39 Ordensschwestern und ein Bischof nehmen an der Prozession teil. 

In einem Grußwort, das an Jesus gerichtet ist, bedankt sich der Vertreter des Laienrats für den Segen und den Schutz Gottes und weist auf das beständige Wachsen der Kirche in der Stadt hin. Mit dem eucharistischen Segen werden die müden, aber frohen Menschen entlassen und gehen voll Dank und im Glauben gestärkt ihren Dörfern entgegen.

Pater Peter Hillen

Der Autor war 33 Jahre als Missionar in Afrika, davon zuletzt elf Jahre in Nigeria. Zurzeit verbringt der Pallottiner­pater in Deutschland ein Sabbatjahr.