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Im Licht der Ratzinger-Theologie

ROM – Der Neue Schülerkreis Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. hat wieder in der Ewigen Stadt getagt. Trotz Einschränkungen wegen der Pandemie nahmen hunderte Gäste aus dem deutschsprachigen Raum an den Gesprächen in der Nähe des Petersplatzes teil. Der ehemalige Professor und emeritierte Papst Benedikt XVI. war zwar nicht dabei, wurde aber von seinem persönlichen Sekretär Erz­bischof Georg Gänswein vertreten. 

Es war ein Symposium, bei dem die Theologie im Mittelpunkt stand. Es ging um die „Soteriologie“ – also darum, welche Bedeutung die Heilsbotschaft in der heutigen Zeit hat. Die Ratzinger-Forscher waren entzückt, und auch der emeritierte Papst hätte daran sicher Freude gehabt. Außerdem kamen Themen wie die Kritik an der Gender-Theorie, die Herausforderungen des Synodalen Wegs und das Engagement der Klima­aktivisten zur Sprache.

„Gemäß dem Motto des Volksmundes, dass aller guten Dinge drei sind, ist es bereits das dritte öffentliche Symposium, das die beiden Schülerkreise organisiert haben. Und zwar mit dem Ziel, bedeutsame Fragen der heutigen Zeit und Herausforderungen auch in unserer Kirche im Licht der tief im Glauben der Kirche verwurzelten Theologie von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zu beleuchten und nach glaubwürdigen und tragfähigen Antworten zu suchen“, sagte Kardinal Kurt Koch. 

Alle Theologen, die über Benedikt XVI. promovierten

Dieser war der Gastgeber des Treffens, da er nicht nur der ranghöchste deutschsprachige Kurienkardinal ist, sondern auch ein profunder Kenner der Theologie Ratzingers sowie Protektor des Neuen Ratzinger-Schülerkreises. Beim „alten“ Schülerkreis handelt es sich um ehemalige Studenten Ratzingers, während der Neue Schülerkreis alle Theologen aufnimmt, die in der Gegenwart über Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. promoviert haben.

Den Ratzinger-Forschern ging es um die „Frage nach der Erlösung des Menschen im Licht des Christusglaubens in ihren verschiedenen Facetten“. Das diesjährige Thema bot auch die Auseinandersetzung mit dem Umgang des früheren Papstes mit dem Tod – und zwar nicht nur mit dem eigenen. So äußerte sich Erzbischof Gänswein zum letzten Besuch Benedikts XVI. bei seinem Bruder Georg. 

Benedikt XVI. und der Tod seines Bruders

Auch wenn es einem großen Theologen und tiefgläubigen Kirchenmann wie Benedikt XVI. klar sei, „dass es das Ewige Leben gibt, so spürte man, dass er innerlich tief an dem Tod seines Bruders litt“, sagte Gänswein. Der Glaube an das Ewige Leben und an die christliche Heilsbotschaft sei mehr als nur Trost.

Nach dem Symposium ging Gänswein auch auf den gegenwärtigen Gesundheitszustand Benedikts ein: „Ich sage da immer: er ist stabil in der Schwäche.“ Zwar nehme Benedikt noch weiter rege am Leben der Kirche und der Welt teil, er sei aber schwächer geworden. 

„Es ist klar, dass er mit 94 Jahren keine Bäume mehr ausreißen kann. Er ist physisch etwas schwach, die Stimme ist leider auch schwach geworden. Aber der Kopf ist ganz klar“, sagte Gänswein. „Er ist ein Mann, der noch alles machen kann, was nötig ist. Bei manchen Dingen braucht er Hilfe. Er kann aufstehen, er kann ins Bett gehen, er kann die Messe zelebrieren, er kann beten, essen, lachen. Was man machen kann, macht er. Es dauert einfach länger.“

Im Rahmen der Vorträge sprach Dogmatik-Professor Ralph Weimann über die Annahme der Liebe Gottes, die zur Erlösung der Menschen führt. Dogmatik-Professorin Barbara Hallensleben sprach über die Soteriologie im Licht der heutigen Glaubenssitua­tion. Professor Michael Schneider, seit drei Jahren Spiritual am Priesterseminar des Bistums Eichstätt, hielt fest: Die unstillbare Sehnsucht nach Erlösung betrifft auch das geistliche Leben.

Mario Galgano

30.09.2021 - Bistum Regensburg , Papst , Vatikan