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Radtour zum Katholikentag

Orte, die zum Frieden mahnen

PRAG/MÜNSTER – Offiziell beginnt der Katholikentag in Münster am Mittwoch. Eine kleine Gruppe der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde (JA) hat sich bereits vergangenes Wochenende in die westfälische Domstadt aufgemacht: Sie ist von Prag aus mit dem Rad losgefahren. Ein bewusst gewählter Ort – genauso wie die Etappenziele unterwegs.

Münster als Austragungsort des Katholikentags 2018 – das weckte bei den Verantwortlichen der Jungen Aktion sofort einige Assoziationen. „Bei Münster mussten wir sofort an das Fahrrad denken. Das ist ja sozusagen das Symbol dieser Stadt“, sagt JA-Bundessprecher Matthias Melcher. „Somit kamen wir auf die Idee, nach Münster zu radeln.“ Die Stadt weist bundesweit den zweithöchsten Rad-Anteil auf. 

Doch wo sollte die Tour beginnen? Bei dieser Frage kam die Historie ins Spiel: In Münster wurde 1648 mit dem Westfälischen Frieden der 30-jährigen Krieg beendet, der 1618 durch den Prager Fenstersturz ausgelöst worden war. Somit war Prag als Startort prädestiniert. „Da die JA als Jugendorganisation der Ackermann-Gemeinde ohnehin einen engen Bezug zu Tschechien hat, waren schon alle Grundpfeiler des Projekts gesetzt“, erklärt Melcher. 

Die Ackermann-Gemeinde ist ein katholischer Verband, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Vertriebenen aus Böhmen, Schlesien und Mähren gegründet wurde. Sie setzt sich seither für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen ein. Die Junge Aktion organisiert immer wieder Begegnungen zwischen den mitteleuropäischen Nachbarn.

Am vergangenen Samstag radelte die JA in Prag los. Bevor es auf die Strecke ging, standen noch Stippvisiten bei bedeutenden Orten der tschechischen Hauptstadt auf dem Programm: Deutsche Botschaft, Prager Burg und Kloster auf dem Weißen Berg. Dort spendete der Erzabt des Klosters Břevnov den Reisesegen.

Das Motto des Katholikentags  „Suche Frieden“ begleitet die Junge Aktion auf ihrer Radtour. Rund 800 Kilometer sollen in zehn Etappen bewältigt werden. An den ersten beiden Tagen besuchte die Radgruppe Lidice und Theresienstadt. In Lidice ermordeten die deutschen Besatzer  1942 fast alle männlichen Einwohner; das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht. In There­sienstadt befand sich ein Konzentrationslager. „Das sind natürlich Orte, an denen schreckliche Verbrechen begangen wurden“, sagt Bundessprecher Melcher. „Jetzt aber rufen sie als Erinnerungsorte zum Frieden auf.“

Nachdem am dritten Tag der Tour die tschechisch-deutsche Grenze passiert worden war, ging es über Dresden nach Leipzig. In Dresden stand die Frauenkirche im Fokus, die im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer beschädigt wurde und daraufhin in sich zusammenfiel. Nach ihrem Wiederaufbau wurde sie 2005 wieder eröffnet. Leipzig steht symbolisch für den Fall der DDR: Die dortige Nikolaikirche gilt als einer der Ausgangspunkte der friedlichen Revolution 1989/90. 

Neben der Symbolkraft des Rads und der Etappenorte ist laut Melcher auch der Aspekt des bewussten Reisens wichtig. Für einen Radler ergäben sich viele spontane Begegnungen und Gespräche „Das ist auch ein Sinn des Projekts: bei der Suche nach dem Frieden mit Menschen ins persönliche Gespräch zu kommen.“

Für die Teilnehmerin Tatiana Lemesaniová ist die Radtour eine große Herausforderung. „Aber da wir in guter Gemeinschaft sind, macht es auch viel Spaß. Wir besuchen viele spannende Orte und das spornt uns an“, sagt die junge Tschechin.

Unterwegs gut gerüstet

Als Unterkünfte hat die JA Pensionen oder Jugendherbergen gebucht. Teilweise sind die jungen Leute auch in Gastfamilien untergebracht. Falls es auf der Strecke einen Platten gibt oder ein Teilnehmer eine Pause braucht, ist ein Begleitfahrzeug in Rufweite. Sollte es ein größeres Problem geben, ist dem Bundessprecher nicht bange: „Wir fahren ja nicht durch die Pampa“, stellt er augenzwinkernd klar.

Wenn alles glatt läuft, kommt die Radgruppe am Montag in Münster an. Am Katholikentag wird die Junge Aktion ihr Projekt im Foyer der Bezirksregierung am Domplatz präsentieren. Dabei werden die Radler von ihren Eindrücken erzählen und Statements der Menschen, mit denen sie ins Gespräch gekommen sind, zeigen. Außerdem wird das Projekt am Mittwoch im Vorprogramm des Eröffnungsgottesdiensts und am Samstag auf der Aktionsbühne Süd der Kirchenmeile präsentiert.

Matthias Altmann

02.05.2018 - Deutschland , Jugend , Sport