Anzeige

Gabe Gottes, Bethlehem und Heiligeland

Orte mit himmlischem Klang

Das „Nikolausdorf“ liegt direkt neben der „Himmelsthür“. Aber auch das „Fegefeuer“ und sogar die „Hölle“ sind nicht weit entfernt. Jedenfalls im Fernweh-Park „Signs of Fame“ im oberfränkischen Oberkotzau – ganz in der Nähe der Stadt Hof. Dort trifft man auf Tausende von Orts- und Straßenschildern aus der ganzen Welt. 

Im Kopfkino geht’s rund um den Globus und die Geografie wird außer Kraft gesetzt. New York liegt hier direkt neben Reit im Winkl, von Rio bis Dubai sind es nur wenige Schritte. Verkehrsschilder warnen vor „Kangaroos next 10 km“ und nicht weit entfernt startet die legendäre Route 66. Auch buchstäblich „himmlische“ und „biblische“ Ortsnamen kann man hier vorfinden. 

Zum Beispiel „Himmelgarten“, Ortsteil von Röthenbach an der Pegnitz im Kreis Nürnberger Land. Hierbei könnte es sich um den ursprünglichen Flurnamen für ein besonders fruchtbares Landstück handeln, der dann auf die Ansiedlung übertragen wurde. Denkbar ist aber auch, dass der mystische Name von Nonnen des ehemaligen Nürnberger Katharinenklosters vergeben wurde, die dort im 16. Jahrhundert einen Hof besaßen.

„Eine Gabe Gottes“

Ebenso interessant ist die Herkunft der Ortsbezeichnung von „Gabe Gottes“, eines Weilers, der im Tal der Loquitz südlich von Marktgölitz im Thüringer Landkreis Saalfeld-Rudolstadt liegt. Seine Geschichte geht bis auf die Gründung des Blaufarbenwerkes 1668 zurück. Einer Sage nach soll der Ortsname einem Bergarbeiter zu verdanken sein. Er hatte einen großen Brocken des bis dahin nie gefundenen Eisensteins entdeckt. Das habe ihn zum freudigen Kommentar „Das ist eine Gabe Gottes“ veranlasst. 

Im Fernweh-Park sticht auch das Ortsschild von „Heiligeland“ ins Auge. Ein Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, das ursprünglich „Hilgenland“ hieß. So stand der Name auf alten Flurkarten, so wird der Ort auf Plattdeutsch immer noch genannt. Über die Herkunft kann gerätselt werden: Der Name könnte auf ein slawisches Heiligtum hindeuten. Gesichert ist das allerdings nicht. 

Sicher ist dagegen, dass Besucher des Fernweh-Parks überrascht feststellen dürfen, dass Bethlehem im Ostallgäu und Rom im Mecklenburg-Vorpommerschen Landkreis Parchim liegt.

Der Park wurde im November 1999, genau zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, ins Leben gerufen. Initiiert und zusammengestellt wurde er von Filmemacher und Weltenbummler Klaus Beer. „Der Park steht vor allem als öffentliches Zeichen für grenzenlose Freiheit und für Völkerverständigung – und gegen jeglichen Rassismus“, betont er.

Beim Spaziergang durch den Park ist Hollywood-Feeling und Fernweh garantiert. Aber das ist längst nicht alles. Die Welt besteht nicht nur aus Metropolen. Viele Schilder sind thematisch geordnet. So begegnet man lustig anmutenden Ortsnamen aus der Heimat wie „Witzigmänn“, „Wüstenbrand“ oder „Sommerloch“. Und bei „Bierkeller“, „Kaffeekanne“ oder „Faulebutter“ darf man ebenfalls ins Schmunzeln kommen. 

Botschaft vom Dalai Lama

Grußbotschaften von Prominenten aus aller Welt und allen Bereichen der Gesellschaft sind in den Park integriert: vom Dalai Lama, den Klaus Beer anlässlich seines Deutschlandbesuchs 2008 persönlich getroffen hat, von Karlheinz Böhm und Hans-Dietrich Genscher, Henry Maske und Peter Maffay. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sein Amtsvorgänger Joachim Gauck, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und viele Stars aus Funk und Fernsehen haben ihre Unterstützung durch in Gips verewigte Handabdrücke zum Ausdruck gebracht.

Brigitte Geiselhart

Information

Der Fernweh-Park liegt im Naherholungszentrum „Summapark“ in Oberkotzau. Er ist ganzjährig kostenfrei zugänglich und rund um die Uhr zu besichtigen. Auf Wunsch können Führungen für Gruppen gebucht werden. Weitere Infos unter www.fernweh-park.de.

27.08.2021 - Ausstellungen , Magazin , Reise