Anzeige

Herausforderungen für Ökonomie

Papst: „Vergesst die Arbeit nicht“

Papst Franziskus hat mit jungen Akteuren der Wirtschafts- und Finanzbranche aus aller Welt in Assisi einen Pakt für eine „Wirtschaft des Evange­liums“ unterzeichnet. Beim Einsatz zum Schutz der Erde sei schnelles und entschlossenes Handeln notwendig, erklärte er vor den rund 1000 Teilnehmern der Initiative „Economy of Francesco“: „Ich zähle auf euch! Lasst uns nicht in Ruhe und geht mit gutem Beispiel voran!“

Die Initiative will den Austausch junger Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer mit etablierten Ökonomen fördern, um gemeinsam eine Wirtschaft zu schaffen, die Mensch und Schöpfung achtet und sich für deren Wohl einsetzt. Der Name der Initiative verweist auf den heiligen Franz von Assisi, der im Mittelalter sein Leben als reicher Kaufmannssohn aufgab, um sich dem Gebet sowie den Armen und Ausgestoßenen zu widmen.

Es war ein buntes Programm, das Franziskus in der umbrischen Kleinstadt erwartete. Nach seiner Ankunft per Helikopter wurde er im Foyer des modernen Theaters der Stadt durch Erzbischof Domenico Sorrentino und einige Teilnehmer in Empfang genommen. Erfreut hörte der Papst die Zeugnisse von Teilnehmern und begrüßte, auf einen Stock gestützt, Kinder und Jugendliche, die bei der Veranstaltung mithalfen.

Die von Franziskus gewünschte Initiative hat einen Prozess des umfassenden Dialogs und globaler Bemühungen hin zu einer neuen Wirtschaft in Gang gesetzt. Das diesjährige Treffen war das erste, an dem die Teilnehmer physisch teilnahmen, nachdem man sich in den beiden Vorjahren wegen der Pandemie virtuell vernetzt hatte.

Der Papst rief dazu auf, die Arbeit wieder in den Mittelpunkt der Wirtschaft zu stellen: „Vergesst die Arbeit nicht, vergesst die Arbeitnehmer nicht.“ Die Arbeit sei schon heute die Herausforderung unserer Zeit, erklärte er, „und sie wird noch mehr die Herausforderung von morgen sein. Ohne würdige und gut bezahlte Arbeit werden junge Menschen nicht wirklich erwachsen, Ungleichheiten nehmen zu. Manchmal kann man ohne Arbeit überleben, aber man lebt nicht gut. Während ihr also Waren und Dienstleistungen schafft, solltet ihr nicht vergessen, Arbeit zu schaffen, gute Arbeit, Arbeit für alle.“ 

Hohe Erwartungen

Dabei erinnerte Franziskus an die traurige Tatsache der „Sklaverei der Frau, die keine Mutter sein kann, denn sobald sie schwanger ist, lässt man sie nicht mehr arbeiten oder man entlässt sie“. Er setze deshalb hohe Erwartungen in die jungen Wirtschaftsexperten von heute und morgen: Nichts weniger als ein neues Weltwirtschaftsmodell wünscht sich der Pontifex von den nachrückenden Generationen.

Es liege an ihnen, eine „Wirtschaft, die tötet“, in eine „Wirtschaft des Lebens“ zu verwandeln, sagte er. Dabei sei es auch nötig, eine Abkehr von fossilen Brennstoffen voranzutreiben, sich klarzumachen, dass die Plünderungen der Erde bestenfalls zum Nutzen weniger Menschen geschähen, und sich dem unbequemen ethischen Grundsatz zu stellen, „dass Schäden repariert werden müssen“. Seine Zuhörer rief er auf: „Geht mit gutem Beispiel voran!“

Sodann sprach der Papst über Nachhaltigkeit, die nicht nur mit der Umwelt zu tun habe, sondern auch mit den „Beziehungen zu den Menschen“, die verarmten. Vor allem im Westen würden die Gemeinschaften immer zerbrechlicher und fragmentierter. „Die Familie befindet sich in einigen Regionen der Welt in einer schweren Krise, und mit ihr die Akzeptanz und die Bewahrung des Lebens. Die heutige Konsumgesellschaft versucht, die Leere zwischenmenschlicher Beziehungen mit immer raffinierteren Waren zu füllen“, kritisierte Franziskus. Einsamkeit sei „ein großes Geschäft in unserer Zeit. Aber das führt zu einer Hungersnot des Glücklichseins“.

„Ihr könnt es schaffen“

Die jungen Menschen rief er zu gemeinsamem Engagement für die Zukunft auf: „Wenn ein junger Mensch in einem anderen jungen Menschen seine eigene Berufung sieht und diese Erfahrung dann mit Hunderten, Tausenden anderer junger Menschen wiederholt, dann werden große Dinge möglich, sogar die Hoffnung, ein riesiges und komplexes System wie die Weltwirtschaft zu verändern. Ihr jungen Leute wisst, wie man es macht, ihr könnt es schaffen; junge Leute haben es schon zu anderen Zeiten in der Geschichte geschafft“, sagte er. 

Die Fähigkeiten junger Menschen lobte der Papst: Wenn diese der Zivilgesellschaft und den Unternehmen fehlten, verkümmere die gesamte Gesellschaft, und das Leben aller werde ausgelöscht. Es mangele dann „an Kreativität, an Optimismus, an Begeisterung“.

Am Ende seines Auftritts sprach der Pontifex mit den Teilnehmern ein Gebet. Dann unterzeichnete er mit der Thailänderin Lilly, die sich in ihrem Land erfolgreich für ein Verbot von Einwegplastikartikeln stark gemacht hatte, einen Pakt. Darin verpflichten sich die Beteiligten zum Einsatz für eine „Wirtschaft des Friedens“, die alle Menschen, deren Würde und auch die Umwelt achtet sowie Armut und Ungerechtigkeit bekämpft. Schließlich brachte der Hubschrauber den Papst wieder in den Vatikan zurück.

Mario Galgano

30.09.2022 - Jugend , Papst , Wirtschaft