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Bischof Kohlgraf meldet sich zu Wort

Diskussion um Formulierung des Vaterunser dauert an

Die von Papst Franziskus angestoßene Debatte über die Formulierung des Vaterunser ist in Deutschland auch am Wochenende weitergegangen. „Es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext im Matthäus- und Lukasevangelium entspricht“, schrieb der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Sonntag auf seiner Facebook-Seite.

„Frühere Versuche, die griechische Version ins Aramäische, der Sprache Jesu zurück zu übersetzen, sind nicht eindeutig gelungen. Wir werden also den griechischen Text als das Gebet Jesu nehmen müssen“, so Kohlgraf. „Bei der Bitte, dass Gott uns nicht in Versuchung führen möge, geht es nicht um kleine Versuchungen, sondern um die Situation einer Grundentscheidung für oder gegen Gott.“

Die Gläubigen beteten, dass Gott sie vom Bösen erretten möge. „Mir scheint es nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen und alles wegzustreichen, was ich nicht verstehe“, betonte Kohlgraf. „Allein, dass über ein Gebet so diskutiert wird wie derzeit, spricht dafür, die Übersetzung zu belassen.“

Mit einer Äußerung zum Vaterunser-Gebet hatte Papst Franziskus in Europa für teils erhebliche Diskussionen gesorgt. Die letzte Bitte - „führe uns nicht in Versuchung“ - sei „keine gute Übersetzung“, sagte Franziskus kürzlich in einem Interview des italienischen Senders TV2000. Nicht Gott, sondern der Satan führe in Versuchung.

Die Debatte entzündet sich an einer Neuübersetzung aus Frankreich. Seit dem ersten Advent beten die französischen Katholiken: „Lass uns nicht in die Versuchung eintreten.“ Die in Deutschland gebräuchliche Fassung von 1971 wurde von Katholiken und Protestanten gemeinsam erarbeitet.

In der „Bild am Sonntag“ bekräftigte die evangelische Theologin Margot Käßmann die Haltung ihrer Kirche. „Ich bin dafür, das Vaterunser zu belassen wie es ist“, schreibt Käßmann in der Zeitung. „Es geht wohl wirklich auf Jesus selbst zurück.“ Sie meinte: „Wenn wir anfangen, Änderungen zu diskutieren, gibt es unzählige Kommissionen, Vorschläge, Auseinandersetzungen.“ Sie rief dazu auf, „das eine gemeinsame Gebet der Christenheit wirken“ zu lassen.

In der vergangenen Woche hatte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf Facebook erklärt: „In der neuen Luther-Bibel 2017 heißt es übrigens (und dabei bleiben wir auch): 'Und führe uns nicht in Versuchung'.“

KNA

11.12.2017 - Hintergrund , Papst