Anzeige

Jubiläum

Ehemaliger ZdK-Präsident Hans Maier wird 90 Jahre alt

Hans Maier, einer der führenden katholischen Intellektuellen Deutschlands, vollendet am heutigen Freitag in München sein 90. Lebensjahr. Der gebürtige Freiburger Politikwissenschaftler lehrte als Professor an der Ludwig-Maximlians-Universität in München. Von 1970 bis 1986 war er bayerischer Kultusminister, von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Der verheiratete Vater von sechs Töchtern ist weiter als nebenamtlicher Kirchenmusiker, als Vortragsredner und Publizist aktiv.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx würdigte in einem Glückwunschschreiben Maiers "vielfältiges und engagiertes Wirken in Wissenschaft, Kirche, Politik und Gesellschaft." Der Jubilar habe "nie die kritische Auseinandersetzung gescheut, aber immer vom Argument und vom weiten, kenntnisreichen Blick von der Sache her diese Auseinandersetzung geführt". Nicht Streit oder Kontroverse sei Maiers Ziel gewesen, "sondern die bessere Lösung für den Menschen, die Gesellschaft, die Kirche".

Aus der Feder des Gelehrten stammen rund 1.700 Publikationen zu einem breiten Themenspektrum. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen kreisen um die Verbindung zwischen Politik und Religion, um revolutionäre und totalitäre Ideengebäude. Erst vor kurzem erschien unter dem Titel "Deutschland. Wegmarken seiner Geschichte" ein Essayband im Münchner Verlag C.H. Beck, der 2010 auch seine Gesammelten Schriften herausgab. Seine Lebenserinnerungen betitelte er 2011 mit "Böse Jahre, gute Jahre". Für sein Wirken erhielt Maier viele akademische, kirchliche, staatliche und kulturelle Auszeichnungen.

1999 zählte er mit anderen prominenten Katholiken zu den Gründungsmitgliedern des Beratungsvereins Donum Vitae (Geschenk des Lebens), nachdem die katholische Kirche in Deutschland auf Anordnung von Papst Johannes Paul II. das staatliche System der Schwangerschaftskonfliktberatung verlassen hatte.

Maier beteiligt sich bis in die Gegenwart an öffentlichen Debatten. In der Corona-Krise demonstrierte er im vergangenen Herbst an der Seite von Kulturschaffenden, die um ihre Existenz bangten. Vor Ostern 2020 startete er eine Hilfsinitiative für das überfüllte Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

2018 rieb sich Maier an der Führung seiner Partei, der CSU, die im Streit mit der CDU um die Asyl- und Migrationspolitik die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag riskierte. Auch am Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder für die Landesbehörden fand er keinen Gefallen, obwohl er als Kultusminister und ZdK-Präsident für die Beibehaltung von Schulkreuzen gekämpft hatte.

KNA

18.06.2021 - Bayern , Jubiläum , Laien