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Gesellschaft für bedrohte Völker warnt:

Islamisierung der Türkei bedroht religiöse Minderheiten

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor einer "aggressiven Islamisierungspolitik" des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Sollte der geschwächte Präsident den sunnitischen Islam zur Staatsreligion machen, seien Andersgläubige wie etwa die 15 Millionen Aleviten sowie die christliche, jesidische und jüdische Minderheit bedroht, mahnte die GfbV am Mittwoch in Göttingen. 

"Vor dem Hintergrund seiner sinkenden Popularität könnte Präsident Erdogan zu noch härteren Mitteln greifen, um die nächsten Wahlen zu gewinnen", warnte GfbV-Nahostexperte Kamal Sido. Neue Angriffskriege gegen die kurdische Bevölkerung in Syrien oder im Irak seien nicht auszuschließen. Aus Erdogans Umfeld gebe es gar Bestrebungen, ihn zum Kalifen aller Muslime weltweit zu ernennen. 

Um die politische Opposition zu spalten und das wachsende Vertrauen der Bevölkerung in sie zu brechen, könnte Erdogan mittels einer Provokation einen Ausnahmezustand herbeiführen, hieß es. "Eine mögliche Provokation wäre, den Islam offiziell zur Staatsreligion zu erklären", sagte Sido. Schon jetzt gebe es kaum Freiräume für die 20 Millionen Menschen starke kurdische Bevölkerung. Auch für Angehörige des Alevitentums bestünden dann wenig Aussichten auf Verbesserungen ihrer Lage. Der nicht offiziell anerkannten Religion folgen demnach türkische, kurdische und arabische Gläubige.

Die Einführung des Islam als Staatsreligion in der Türkei wäre auch für die Frauen im Land sowie für die wenigen verbleibenden christlichen, jesidischen und jüdischen Gläubigen verheerend, da sie schon jetzt diskriminiert und benachteiligt würden, so die GfbV. Angehörige dieser religiösen Minderheiten könnten nur noch in Großstädten wie Istanbul leben, weil sie dort weniger auffielen 

"Erdogan instrumentalisiert die Religion des Islam immer wieder, um konservative Muslime im In- und Ausland für seine machtpolitischen Interessen zu mobilisieren", erklärte Sido. Im Juli 2020 ließ er die für die Christenheit heilige Hagia Sophia in eine Moschee umwandeln. Das als Sophienkirche bekannte Bauwerk des damaligen Konstantinopels wurde im Osmanischen Reich ab 1453 für 482 Jahre als Moschee genutzt. Von 1935 bis 2020 war das ikonische Gebäude ein Museum.

KNA

16.02.2022 - Islam , Religionen , Türkei