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Aktuelle Bezüge zu Missbrauchsdebatte

Kardinal Marx: Guardini ein "Theologe der jetzigen Zeitstunde"

Kardinal Reinhard Marx sieht in den Schriften des Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968) aktuelle Bezüge zur Missbrauchsdebatte. Sie dokumentierten auch ein „Leiden an der Kirche, an Klerikalismus und Selbstherrlichkeit“, sagte Marx am Montagabend in einem Gottesdienst zum 50. Todestag Guardinis in München. Es bestünde immer die „Gefahr, dass Kirche den Weg nicht öffnet, den Blick nicht weitet, sondern zur Mauer wird, zu einer Verhinderung des Glaubens, nicht zu einer Hinführung“. Die Kirche müsse sich dem Ziel unterwerfen, dem Evangelium Raum zu geben. „Was dabei Hindernis ist, muss weggeräumt werden.“

Marx verwies auf die Predigt von Kardinal Julius Döpfner (1913-1976) beim Requiem für Guardini, in der er dessen Theologie unter den Schlagworten „existenzieller Glaube, brüderlicher Glaube und redender Glaube“ zusammengefasst habe. In diesen drei Aspekten sei Guardini auch „ein Theologe der jetzigen Zeitstunde“, so der Münchner Kardinal. Der Glaube sei nicht „leere Spekulation“, sondern ins Leben hineingestellt. Geschwisterlich sei er, wenn er zusammenführe, eine Gemeinschaft sei und kein „exklusiver Club“.

„Einen solchen Seligen brauchen wir für unsere Zeit“, betonte Marx. Im Dezember vergangenen Jahres eröffnete der Münchner Kardinal ein Seligsprechungsverfahren für Guardini. Dieser gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Engagement für liturgische Erneuerung und Jugendseelsorge bereitete er den Weg für die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). In Berlin, Tübingen und München hatte er über Jahrzehnte speziell auf ihn zugeschnittene Lehrstühle inne.

KNA

02.10.2018 - Bischöfe , Historisches