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Libanon

Patriarch Rai beklagt Vorgehen gegen Erzbischof

Der Patriarch der christlichen Maroniten im Libanon, Kardinal Bechara Rai, hat erneut das Vorgehen der Behörden gegen den Erzbischof Moussa El-Hage kritisiert. Von den Behörden fordere er ferner, "dass sie aufhören, libanesische Bürger, die in den besetzten Gebieten leben, als 'Agenten' zu bezeichnen", sagte der Kirchenführer laut örtlichen Medien in einer Predigt an seinem Sommersitz in Dimane. Andernfalls drohe den maronitischen Gemeinden im Heiligen Land großer Schaden.

Nach Angaben der Zeitung "L'Orient le Jour" waren im Mai 2000 rund 10.000 libanesische Drusen, Schiiten und Christen nach Israel geflohen. Rund die Hälfte von ihnen habe das Land seither wieder verlassen. Jene, die sich für eine Rückkehr in den Libanon entschieden, verlören ihre Bürgerrechte und müssten Haftstrafen verbüßen, so der Bericht.

Die Festnahme und das Verhör El-Hages bezeichnete Rai als einen Test der Behörden, "um zu sehen, wie weit sie gegen die maronitische Kirche vorgehen können". Er forderte, El-Hage seinen Pass auszuhändigen und ihm die Nutzung des für Geistliche und Diplomaten vorbehaltenen Grenzübergangs von Rosch HaNikra zwischen Israel und Libanon "ohne Festnahme oder Inspektion" zu ermöglichen.

Ferner warf Rai der Politik vor, die Regierungsbildung zu verzögern. Mitte Mai wurde ein neues Parlament gewählt; eine neue Regierung wurde bislang nicht gebildet. Die Wahl eines neuen Präsidenten steht für Herbst; die Amtszeit des 88-jährigen Michel Aoun endet im Oktober.

KNA

02.08.2022 - Kardinäle , Nahost , Politik