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"Mangel an Kompetenz"

Moskauer Patriarch kritisiert langweiligen Religionsunterricht

Der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. hat eindringlich eine bessere Ausbildung von Religionslehrern in Russland gefordert. "Eines der wichtigsten Probleme heute ist der Mangel an ausreichender Kompetenz bei den meisten Lehrern, die die Grundlagen der orthodoxen Kultur unterrichten", sagte er nach Angaben seiner Kirche. Deshalb habe er Bildungsminister Sergej Krawzow um eine Beteiligung von Kirchenvertretern an allen Phasen der Ausbildung gebeten.

Wenn der Religionsunterricht "langweilig und formell" sei, würden Kinder diese Langeweile in ihr Erwachsenenleben mitnehmen und religiöses Leben mit Langeweile verbinden, sagte das Kirchenoberhaupt. "Deswegen ist es besser, überhaupt nicht zu unterrichten, als schlecht zu unterrichten."

Das Fach "Grundlagen der religiösen Kulturen und weltlichen Ethik" wurde 2012 in ganz Russland eingeführt. Es wird nur in der vierten Klasse unterrichtet und gibt den Schülern beziehungsweise ihren Erziehungsberechtigten sechs Wahlmöglichkeiten: Grundlagen der russisch-orthodoxen, islamischen, buddhistischen oder jüdischen Kultur sowie Grundlagen der weltlichen Ethik oder aller "religiösen Weltkulturen". Nach Angaben von Patriarch Kyrill I. entschieden sich zuletzt 36,7 Prozent für den orthodox-christlichen Kurs. Laut früheren Statistiken wählten die meisten den Ethikkurs.

Nach der Oktoberrevolution 1917 hatten die Kommunisten das Schulfach Religion verboten. Erst nach dem Jahr 2000 boten manche russische Regionen wie Moskau wieder orthodoxe Religionskunde an. Atheisten und andere Glaubensgemeinschaften protestierten massiv gegen das Pflichtfach.

KNA