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Papst im Interview

Franziskus: Habe nie an Rücktritt gedacht

Trotz gravierender gesundheitlicher Probleme sind Papst Franziskus bislang keinerlei Rücktrittsgedanken in den Sinn gekommen. Entsprechende Medienspekulationen wies er in einem Interview des spanischen Senders Cope (Mittwoch) zurück: "Ich weiß nicht, wie sie auf die Idee gekommen sind." Wenn ein Papst krank sei, gebe es offenbar immer entsprechende Gerüchte.

Zudem sprach Papst Franziskus in dem Interview über den Synodalen Weg in Deutschland. Von manchen deutschen Katholiken fühlt sich der Pontifex noch nicht ganz verstanden. "Viele Bischöfe, mit denen ich gesprochen habe, sind nicht böswillig", sagte das Kirchenoberhaupt in einem am Mittwoch verbreiteten Interview des spanischen Radiosenders Cope. Das deutsche Reformprojekt Synodaler Weg beruhe sicher auf einem "seelsorglichen Wunsch". Dieser aber berücksichtige bisher nicht einige der Dinge, "die ich in dem Brief erkläre und die berücksichtigt werden müssen".

Zu der Initiative habe er der Kirche in Deutschland im Sommer 2019 einen langen persönlichen Brief geschrieben. Zur Abfassung habe er einen Monat lang gebraucht, "zwischen Beten und Nachdenken". "Und ich habe ihn zur richtigen Zeit abgeschickt: das Original auf Spanisch und eine Übersetzung ins Deutsche. Dort bringe ich alles zum Ausdruck, was ich über die deutsche Synode denke. Es ist alles da", sagte Franziskus.

Mit Blick auf den Synodalen Weg und dort aufgegriffene Forderungen wird in internationalen Medien immer wieder vor einem möglichen Schisma gewarnt. Kirchenvertreter in Deutschland verneinen dies. Auch der Papst sagte in dem Interview, er wolle "nicht zu tragisch werden".

Überdies hat Franziskus die gesamte Weltkirche zu einem zweijährigen synodalen Prozess aufgerufen. Dieser soll zunächst auf regionaler Ebene in den Diözesen beginnen, dann national zusammengefasst und anschließend kontinental fortgesetzt werden. Im Oktober 2023 soll dann eine Versammlung der Bischofssynode in Rom die Ergebnisse dieser Weltsynode aufarbeiten.

Ein weiteres Thema des Interviews war die Lage in Afghanistan. Über die Art des Abzugs der westlichen Truppen aus Afghanistan äußerte sich Papst Franziskus kritisch. Seiner Meinung nach seien bei der Planung "nicht alle Eventualitäten" in Betracht gezogen worden.

"Ich will nicht urteilen", so das Kirchenoberhaupt. Aber offenbar sei "viel Naivität" mit im Spiel gewesen. Der Abzug an sich sei zwar rechtmäßig. Es komme jedoch auf die Modalitäten und die entsprechenden Verhandlungen an. Keinesfalls dürfe die afghanische Bevölkerung einfach ihrem Schicksal überlassen werden.

Der Vatikan wolle sich auf diplomatischem Wege für die Menschen in Afghanistan einsetzen. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sei "wirklich der beste Diplomat", den er kenne, betonte Franziskus. "Ich bin sicher, dass er hilft oder zumindest Hilfe anbietet." Die Situation sei schwierig. Seine persönliche Aufgabe als Papst sehe er darin, die Christen zu Gebet und Fasten aufzurufen, so der 84-Jährige.

KNA

01.09.2021 - Deutschland , Papst , Synodaler Weg