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Weltfamilientreffen beendet

Deutsche Teilnehmer ziehen Bilanz

Das Zehnte Weltfamilientreffen im Vatikan ist beendet. Von Mittwoch bis Sonntag berieten rund 2.000 Delegierte aus aller Welt über die Seelsorge gegenüber Familien. Thematische Schwerpunkte waren etwa der Dialog zwischen Jung und Alt, Herausforderungen des Ehelebens, aber auch Sexualität und Migration.

Die deutschen Teilnehmer zeigten sich weitgehend zufrieden mit dem Treffen. Allerdings sei der Rahmen für den persönlichen Austausch unter den Delegierten zu klein ausgefallen, befanden sowohl der deutsche Familienbischof Heiner Koch als auch Lucia Lagoda vom Bundesvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).

Großen Raum des Treffens nahmen persönliche Lebenszeugnisse von Familien ein, darunter ein römisches Ehepaar, das ukrainische Geflüchtete aufgenommen hat. Ebenso kamen die Eltern von Chiara Corbella Petrillo zu Wort. Die Italienerin starb 2012 mit 28 Jahren, nachdem sie in der Schwangerschaft auf eine Behandlung ihrer Krebserkrankung verzichtet hatte, um das Leben ihres Kindes zu retten. Für sie wurde 2018 ein Seligsprechungsverfahren eröffnet.

Bei der Auftaktveranstaltung würdigte Papst Franziskus die Zeugnisse, die als "Verstärker" gewirkt hätten: "Ihr habt den Erfahrungen so vieler anderer Familien in der Welt eine Stimme verliehen, die wie ihr die gleichen Freuden, Sorgen, Leiden und Hoffnungen erleben."

Das bestätigten auch deutsche Teilnehmer. Paare und Familien auf der ganzen Welt seien mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert, sagten Angelika Glaß-Hofmann und Gerald Hofmann aus Landshut. Sie nannten es sehr bereichernd, zu erfahren, wie vielfältig und kreativ hier die pastoralen Antworten sind und sich darüber auch über Ländergrenzen hinweg austauschen zu können.

Lucia Lagoda, seit 38 Jahren verheiratet und Mutter von zwei Kindern, fand viele Ansätze für deutsche Familien "zu außergewöhnlich". Die Veranstaltung sei sehr "fromm und missionarisch" geprägt gewesen, in Deutschland sei der Blick auf Familien ein anderer. Zudem sei kein Platz für Kritik und Diskussionen gewesen. Ihre Forderungen, etwa nach dem Diakonat der Frau, habe sie darum nicht anbringen können. Es sei mehr ein "sich gegenseitiges Versichern im Glauben und Glaubensleben einer Familie" gewesen.

Familienbischof Koch erklärte, er habe Impulse für die Seelsorge in Deutschland mitnehmen können, etwa für eine intensivere Ehevorbereitung. So sei es in anderen Ländern selbstverständlich, langjährige Ehepaare in diese Begleitung einzubinden, die "ihr Glaubens-, ihr Lebenswissen" teilten. Beeindruckt zeigte sich der Berliner Erzbischof auch von den vielen Paaren, die "ihre Ehe und Familie als Berufung verstehen, der sie sich im Glauben ein Leben lang auch in schwierigen Phasen stellen wollen".

Papst Franziskus warb bei dem Treffen für eine inklusivere Kirche. "Wir müssen umkehren und uns als Kirche auf den Weg machen", sagte der 85-Jährige. Diözesen und Pfarreien sollten "zu Gemeinschaften werden, die jeden mit offenen Armen empfangen". Paaren dankte der Papst für ihren Mut, eine Familie zu gründen. Es sei eine mutige Entscheidung, "anstatt als 'Inseln' zu leben, sich 'in den gegenseitigen Dienst' zu stellen". Familie sei ein Ort der Begegnung, des Teilens, "der erste Ort, an dem man zu lieben lernt".

Das nächste Zusammentreffen von Familien mit Franziskus wird anlässlich des Heiligen Jahres 2025 in Rom stattfinden, wie der Leiter der vatikanischen Familienbehörde, Kardinal Kevin Farrell, ankündigte. Das offizielle 11. Weltfamilientreffen soll 2028 begangen werden.

Auf Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) war 1994 das erste Weltfamilientreffen in Rom ins Leben gerufen worden. Seither findet es in der Regel alle drei Jahre statt.

KNA