Anzeige

Nach "geistlicher Auszeit":

Kölner Kardinal Woelki zunächst abgetaucht

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bleibt nach Ende seiner Auszeit für die Öffentlichkeit zunächst abgetaucht. Diesen Samstag findet ein Gottesdienst zum Auftakt der Fastenzeit in Düsseldorf - eigentlich Woelkis zweiter geplanter öffentlicher Auftritt - ohne den Erzbischof statt. Ab kommenden Montag nimmt der Kardinal jedoch an der Frühjahrsvollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen teil. Üblicherweise predigt er in diesem Rahmen während eines Gottesdienstes. Auch dieser Auftritt fällt aus. Vergangenen Mittwoch hatte Woelki bereits beim Aschermittwochgottesdienst im Kölner Dom gefehlt.

Der Erzbischof nahm am Mittwoch seine Amtsgeschäfte in Deutschlands mitgliederstärkster Diözese wieder auf. Gleichzeitig wurde bekannt, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat. Franziskus muss über dieses Gesuch noch entscheiden. Zum Ende seiner Auszeit war die Kritik am Kardinal wieder angeschwollen. Er selbst bat um eine zweite Chance und kündigte Gespräche und Begegnungen an.

Woelki war im Oktober in eine mit dem Papst verabredete "geistliche Auszeit" gegangen. Vor allem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen hatte zu einer Vertrauenskrise in der Erzdiözese Köln geführt. Nach einer Untersuchung erklärte der Papst, Woelki habe in diesem Zusammenhang "große Fehler" vor allem in der Kommunikation gemacht, aber keine Verbrechen vertuschen wollen. Weihbischof Rolf Steinhäuser leitete das Erzbistum bis vergangenen Dienstag als Übergangsverwalter. Er vertritt Woelki nun am Samstag in Düsseldorf.

Der traditionsreiche Gottesdienst in der Johanneskirche findet laut Evangelischer Kirche im Rheinland (EKiR) als Buß- und Friedensandacht statt. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse steht das zerstörte Vertrauen in der Politik (Krieg in der Ukraine), Gesellschaft (Corona-Krise) und Kirche (Missbrauchsfälle) im Mittelpunkt", hieß es. Präses Thorsten Latzel leitet die Liturgie.

Seit Jahren laden sich Katholiken und Protestanten im Rheinland wechselseitig zu Gottesdiensten am Anfang der Passionszeit und des Advents ein. Diese Feiern sollen für die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen stehen.

KNA

04.03.2022 - Kardinäle , Missbrauch