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Gottvater in Schmerzen?

Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen widmet sich in der aktuellen Ausstellung „Der Schmerz des Vaters? – Die Trinitarische Pietà zwischen Gotik und Barock“ dem im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit verbreiteten Trinitätsbild. 

Ausgangspunkt für die Kabinettausstellung sind vier Skulpturen aus dem Bestand des Museums, darunter eine aus der großen Schenkung Peter und Irene Ludwig von 1977, sowie ein Cartapesta-Relief und eine Ofenkachel, die ebenfalls zu den Städtischen Sammlungen gehören. All diesen Stücken ist gemeinsam, dass sie Gottvater mit dem lebend-toten Schmerzensmann zeigen. Zu dieser besonderen, heute kaum noch allgemein bekannten Ikonografie gehört auch die Taube des Heiligen Geistes, die sich jedoch oftmals nicht erhalten hat.

Dieses Trinitätsbild, das als Trinitarische Pietà bezeichnet werden kann, war im 15. und frühen 16. Jahrhundert nördlich der Alpen sehr beliebt und weit verbreitet. Das Bildmotiv war für die Andacht prädestiniert, da es das abstrakte Trinitätsdogma emotionalisierte und vermenschlichte. Es kam nicht nur in der Skulptur, sondern auch in der Buch- und Tafelmalerei, der Grafik und an Objekten der Angewandten Kunst vor.  

Welche inhaltliche Aussage war mit der Trinitarischen Pietà verbunden? Wurde der Schmerz des Vaters angesichts des geopferten Sohnes dargestellt oder vielmehr sein Erbarmen? Wie unterscheidet sich dieses Bildmotiv inhaltlich von einer anderen, auch häufig dargestellten Variante der Trinität, dem sogenannten Gnadenstuhl, bei dem Gottvater den Gekreuzigten vor sich hält? 

Auch verwandte Themen, wie die Engelpietà, bei der ein Engel den Schmerzensmann präsentiert, werden in der Ausstellung gezeigt, sowie das Vesperbild, das die trauernde Maria mit dem toten Sohn auf dem Schoß veranschaulicht, in Verbindung zu einer spezifischen Ausprägung der Trinitarischen Pietà gesetzt. Mit dieser Ausstellung wird eine ehemals gängige, inzwischen jedoch weitgehend in den Hintergrund getretene Bildthematik für die heutige Zeit lebendig gemacht.

Informationen

Das Museum (www.suermondt-ludwig-museum.de) ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung dauert noch bis zum 5. Juni.

12.04.2022 - Anzeigen , Kunst