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Cantate Domino am zweiten Jahrtag der Amtserhebung von Bischof Bertram Meier

„Kraftvoll die Stimme ihm leih‘n“

AUGSBURG – „Ein wenig aufgeregt bin ich schon“, gestand Klaus Ortler, als unsere Zeitung den Kirchenmusiker am Tag davor anrief. Doch dann klappte alles: Die Nördlinger Chöre St. Salvator und St. Josef führten am Samstag beim Cantate Domino im Dom die von Ortler komponierte Motette zum bischöflichen Motto „Vox verbi – Vas gratiae“ (Stimme des Wortes, Schale der Gnade) auf. 

Schade, dass wegen Omikron nur ein Teil der Plätze belegt sein konnte: Den Zuhörern – unter ihnen der Nördlinger Stadtpfarrer Benjamin Beck – wurde unter Leitung von Petra Hanke und dem Komponisten sehr ansprechende, aus dem Pandemie-Alltag herauslockende Chormusik geboten. „Ich lade Sie ein, die Musik auf sich wirken zu lassen und auch geistige Nahrung für die gerade nicht einfache Zeit als Kirche mitzunehmen“, sagte Bischof Bertram.

Für ihn war es ein ganz besonderer Ehrentag, denn er war vor genau zwei Jahren zum Bischof von Augsburg erhoben worden. Ein besonderer Gruß Meiers galt seinem „Alter ego“, Generalvikar Wolfgang Hacker, der just an diesem Tag 60. Geburtstag feierte, gleichwohl aber zum Bischofs-Ständchen gekommen war. Der Bischof dankte ihm für das gute Miteinander und für die Bereitschaft, als Domprediger sozusagen in seine Fußstapfen zu treten.

„In schwieriger Zeit“

Etwas wehmütig erinnerte sich der Bischof an den Tag seiner Erhebung, den 29. Januar 2020: „Seither war der Dom nicht mehr so voll“, sagte er. Anschließend brach Corona mit großer Wucht los und prägte die ersten beiden Jahre als „Bischof in schwieriger Zeit“: Wochenlang gab es gar keine Gottesdienste mit Besuchern. Die Weihe musste verschoben und unter sehr begrenzten Bedingungen nachgeholt werden. Auch erzwang das Virus längere Zeit den Verzicht auf Musik, obwohl diese doch so wohl tue.

Der „musikarmen Zeit“ folgte eine wortreiche Zeit, wobei die Worte in manchen „sozialen Medien“ bis zum „digitalen Brandstiftertum“ umschlügen, bedauerte der Bischof. „Lassen wir uns nicht mitreißen von  den Wellen und Wogen unüberlegter Worte“, bat er mit Blick auf die neuesten Missbrauchs-Enthüllungen und die große öffentliche Empörung. Von der Wort-Flut leicht übertönt werde, was die Kirche an Gutem schafft.

Dass die Besucher am vorigen Samstag das Bischofsmotto als wohlklingende Motette hören konnten, kam so: Erst vertonte Kirchenmusiker und Komponist Klaus Ortler das Motto des Kaplans, was wiederum dem Nördlinger Stadtpfarrer so gut gefiel, dass auch er eine Vertonung haben wollte und für den Besuch des Bischofs eine Komposition mit dessen Wahlspruch anregte. Der Bischof kam, hörte und war begeistert, weshalb er den Nördlinger Komponisten samt zweier Chöre jetzt zum zweiten Jahrtag seiner Erhebung nach Augsburg einlud. 

Nur als volles Gefäß

Der Text, den sich Klaus Ortler unter Einbeziehung eines bischöflichen Meditationsbüchleins ausgedacht hat, lautet: „Das Wort Gottes will ich mutig verkünden, ein Zeuge des Glaubens will ich sein. Jesu Wesen und Wahrheit ergründen und kraftvoll die Stimme ihm leih‘n. Denn Jesus braucht unsre Stimme und wir brauchen sein Wort.“ Die zweite Strophe: „Erfülle mich mit deiner Gnade. Gib Du mir Kraft und Geduld. Lass mich aufnehmen gleich einer Schale, die Ströme der göttlichen Huld. Denn nur als volles Gefäß kann ich Quelle für andere sein.“  Dazu ertönt dreimal der Refrain „Vox verbi - Vas gratiae. Stimme des Wortes, Schale der Gnade, will ich Dir sein, Dir sein“. Johannes Müller

05.02.2022 - Kirchenmusik