Kulturelles Aushängeschild (Dienstag, 18. Februar 2020 11:59:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

Abschluss der Generalsanierung bei den Regensburger Domspatzen

Kulturelles Aushängeschild

REGENSBURG (mw/sm) – Die Regensburger Domspatzen singen, leben und lernen nun in einem neuen Zuhause. Nach sieben Jahren Bauzeit steht die Generalsanierung der Institution in diesem Jahr vor dem Abschluss. Entstanden sind ein neues Gymnasium, neue Chorsäle und Stimmbildungsräume, ein neuer Speisesaal, ein großzügiges und einladendes Foyer sowie neue Wohnräume für die Tages- und Internatsschüler. Bei der Weihe der neuen Hauskapelle St. Wolfgang durch Bischof Rudolf Voderholzer waren unter den Ehrengästen auch die Staatssekretärin im Bayerischen Kultusministerium Anna Stolz und Regierungspräsident Axel Bartelt. Beide gratulierten beim anschließenden Festakt den „neuen“ Domspatzen.

„Heute ist ein Glückstag für das Bistum, für die Stadt und die Domspatzen“, sagte Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt anlässlich der Altarweihe. Bei der Kirchweih von den Domspatzen begleitet zu werden, sei wohl das Schönste, was ein Bischof erleben darf. Die wunderbar gelungene Hauskapelle sei ein Ort, wo Gott gegenwärtig ist. Der wirkliche Ort seiner Gegenwart seien aber das Herz und die Ohren des gläubigen Menschen. Der Bischof verwies auf die gotische Marienfigur in der Hauskapelle, ein Geschenk der Ratzinger-Brüder, die auch schon in der früheren Hauskapelle ihren Platz hatte. 

„Die Gottesmutter ist uns ­darin Vorbild. Sie hat in Herz, Ohren und Leib ihren Sohn Jesus Christus, unseren Gott, in Demut aufgenommen“, so Voderholzer. Der Bischof zeigte sich auch glücklich darüber, dass parallel zur baulichen Erneuerung ein innerer Reinigungsprozess bei den Domspatzen in Gang gekommen sei. „Unsere Aufarbeitung zu Gewalterfahrungen bei den Domspatzen aus früheren Jahren wird mittlerweile deutschlandweit als vorbildlich gelobt“, sagte er. 

Mutig nach vorne schauen

Voderholzer segnete im Rahmen der Feierlichkeiten das neue Mahnmal des Berliner Künstlers Ulrich Hakel im Foyer der Domspatzen. Es zeigt zwei sich begegnende Hände und ist Zeichen der Erinnerung und Versöhnung. Man müsse nach hinten schauen, dürfe aber nun auch mutig nach vorne schauen, so der Bischof.

Beim anschließenden Festakt dankte Dompropst Franz Frühmorgen allen, die in den letzten sieben Jahren zur Generalsanierung beigetragen haben. Der Dompropst ist auch Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Regensburger Domspatzen. Frühmorgen nannte die Verantwortlichen in Kirche und Stiftung und dankte auch seinen Vorgängern im Amt, Anton Wilhelm und Wilhelm Gegenfurtner. Er dankte den Mitgliedern des Diözesan-Steuerausschusses, die die Gelder für das Vorhaben genehmigten. Sanierung und Neubau kosteten gut 46 Millionen Euro. „Dafür danken wir vor allem auch den Menschen, die das durch ihre Verbundenheit mit der Kirche und die Kirchensteuer aufgebracht haben“, sagte Frühmorgen. „Am Ende können wir nun sagen: Es ist schön bei den Domspatzen“, so der Dompropst.   

Anna Stolz, Staatssekretärin im Bayerischen Kultusministerium, gra­tulierte den Domspatzen zu ihrem einzigartigen Bildungskonzept. Erkenntnis durch Wissenschaft und Handeln aus dem Glauben, das seien die zwei Säulen dieser Einrichtung. Damit gebe es für die Schüler beste Voraussetzungen für das Lernen und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Das sei „ein Bildungskonzept, wie wir es uns in Bayern wünschen“, so Stolz. Die Domspatzen seien für Bayern ein „kulturelles Aushängeschild in der Welt“.

Bestens gerüstet

Regierungspräsident Axel ­Bartelt appellierte an die Schüler, die gebotenen Möglichkeiten munter zu nutzen und aus ihrem Leben etwas zu machen. Die Domspatzen hätten nun Räume, die den Anforderungen einer Schule 

im 21. Jahrhundert bestens genügten. „Die Domspatzen sind weit mehr als nur ein Lernraum, sie sind ein Lebensraum“, so Bartelt. Wie die Steinerne Brücke oder der Dom gehörten sie zu den Wahrzeichen Regensburgs und der Oberpfalz. Der Regierungspräsident überbrachte gleichzeitig den Bescheid über die Zusage von 9 367 000 Euro an Fördermitteln aus dem Topf des Freistaats. „Besser kann man Geld nicht investieren als in die Bildung junger Menschen“, so Bartelt.

Top-Ausstattung

Es entstanden zwei neue topausgestattete Chorsäle, mehrere Übungsräume und Stimmbildungszimmer. Hinzu kommen PC-Räume mit je 30 Arbeitsplätzen, eine neue Schüler- und Lehrerbibliothek und eine lernmittelfreie Bücherei. Mit dem Neubau des Gymnasiums ist die Schule der Domspatzen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bestens gerüstet. Alle Unterrichtsräume sind mit Beamer, Laptop und Dokumentenkameras ausgestattet. Der Kunst-, Informatik- und naturwissenschaftliche Bereich dürfte seinesgleichen in der Schullandschaft suchen. 

In den vergangenen sieben Jahren wurden zwei neue Studiersäle für die beiden 5. Klassen mit Differenzierungsmöglichkeit geschaffen, ebenso Freizeiträume für die Oberstufenschüler in Internat und Tagesschule. Die ursprüngliche Schulbibliothek und die Freizeitbibliothek des Internates wurden in einem Raum zusammengefasst und mit ansprechendem Aufenthalts- und Lesebereich ausgestattet. Die Wohn- und Lebensräume der Internatsschüler wurden auf modernsten technischen Stand gebracht. Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme belaufen sich auf 46,35 Millionen Euro.

Für die Innenraumgestaltung des vom Architekten neu entworfenen Kapellengebäudes war 2016 ein Colloquium veranstaltet worden, zu dem sechs Künstler eingeladen waren. Den Künstlerwettbewerb vor einer Fachjury gewann der Straubinger Künstler Tom Kristen. Er bekam die Planung und Koordination für die Fertigstellung der Kapellengestaltung anvertraut. Sein Motto: „Alles strömt zur Mitte hin.“ In der Hauskapelle finden, neben den Sonntagsgottesdiensten der Internatsschüler, auch jahrgangsbezogene Schülermessen, Andachten oder Kreuzwege statt. Viele Schüler nutzen die Hauskapelle immer wieder als Ort zum persönlichen Gebet oder einfach als Rückzugsort, um mit ihren Gedanken alleine sein zu können.

Im März 2012 hatten das Domkapitel Regensburg sowie der Diöze­san-Steuerausschuss der Vorbereitung der Baumaßnahme grünes Licht gegeben. 2012 wurde das Architekturbüro Peithner mit der Planung der Maßnahme betraut, das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk mit der Bauaufsicht beauftragt. 2015 beschloss die Ordinariatskonferenz die Verringerung des Bauvolumens. Im Dezember 2018 konnte das Gymnasium aus dem Containergebäude in die neuen Räume umziehen. Die Internatsschüler der Oberstufe (Q11 und Q12) sowie die Tagesschüler der Oberstufe haben im Juli 2019 die neuen Internats- und Tagesschülerräume bezogen. Im September 2019 haben die neue Großküche sowie der neue Speisesaal für die Internats- und Tagesschüler ihre Nutzung aufgenommen. Im November konnten zwei Chöre der Domspatzen aus den provisorischen Ausweichquartieren in die neuen Chorsäle umziehen. 2020 sind alle Arbeiten, auch die Außenanlagen, abgeschlossen.

18.02.2020 - Bistum Regensburg