„Wie eine große Familie leben“ (Mittwoch, 04. September 2019 07:59:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

Bischof Rudolf Voderholzer eröffnet Wallfahrtswoche auf dem Mausberg

„Wie eine große Familie leben“

GEBENBACH (pdr/sm) – Zum Auftakt der Wallfahrtswoche auf dem Mausberg bei Gebenbach hat Bischof Rudolf Voderholzer einen Pontifikalgottesdienst zelebriert. 

Nach der Begrüßung durch Pfarrvikar Christian Preitschaft, Bürgermeister Peter Dotzler sowie Kirchenpflegerin Susanne Lindner und der Segnung der Kinder zog Bischof Voderholzer mit Diakon Dieter Gerstacker und den Priestern Hans Peter Heindl, Alfred Lindner und Christian Preitschaft in die Wallfahrtskirche ein. Deren Plätze reichten aber bei Weitem nicht aus. Viele weitere Hunderte Gläubige konnten den Pontifikalgottesdienst dank einer Lautsprecherübertragung auf dem Vorplatz mitverfolgen. Aus Hahnbach und Ursulapoppenricht waren starke Wallfahrergruppen gekommen, welche der Gebenbacher Pfarrvikar eigens willkommen hieß.

Quelle des Dialogs

Unter dem Predigtmotto „Wer glaubt, ist nie allein“ erinnerte der Bischof daran, dass Alleinsein größte Not sein könne. Das Credo der Christen bezeuge die Dreifaltigkeit Gottes und spreche von „Gott, dem Ursprung und der Quelle des Dialogs“. Gott selber lebe „die Fülle in Gemeinschaft und Beziehung“. Er sei in seiner Trinität „vollkommene Liebe, ein Austauschen von Schenken und Empfangen“. Jener Trialog in Beziehung habe in seiner Konsequenz auch die Welt ins Dasein gesetzt. In der Schöpfung komme schließlich auch der Mensch zu sich, nicht allein, sondern als Mann und Frau. In gelebter Beziehung, in Gemeinschaft setze diese sich auch fort und fort, so der Bischof.

Das Wort „Sünde“ komme von „absondern“, und zwar von Gott und den Menschen, erklärte der Bischof weiter. Eine Vereinzelung, Isolierung sei und bleibe deshalb sündhaft und widergöttlich. Gott habe seinen Sohn Jesus Christus ja auch deshalb in die Welt gesandt, um „seine Kinder aus aller Verlassenheit herauszuführen“. Da Jesus selber die letzte und tiefste Einsamkeit am Kreuz erlebt habe und bleibend ­darum wisse, gebe es „auf Erden keinen Ort der Gottferne“ mehr. Durch den neuen Bund in Jesus sei zudem eine „Heilung aller Sünde“ in und durch wirkliche und wirkende Gemeinschaft gegeben. Dazu, dieses immer wieder auch körperlich zu erspüren, dienten auch „Gottesdienste wie dieser“, versicherte Bischof Rudolf. 

Sakrament der Einheit

In der Kirche als dem „Sakrament der Einheit“ sollten alle „wie eine große Familie leben“. „Hier gibt es keine Fremden oder Ausländer. Wir sind alle Schwestern und Brüder“, betonte Bischof Voderholzer eindringlich. Gerade deshalb sei es schlimm, dass vor 80 Jahren mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der Glaube nicht genügend Kraft hatte und Christen gegen­einander kämpften. Extremer Nationalismus habe zu jenen „gottlosen Regimen“ unter Hitler und Stalin geführt, welche folglich „ein Meer an Blut und Tränen hervorgebracht haben“. Aufgabe der Christen heute sei es deshalb auch, Derartiges für alle Zeiten zu verhindern.

Damit die Welt, Gottes Schöpfung, gut und für alle erhalten bleibe, verlangte der Bischof einen „geschwisterlichen Bezug zur Umwelt“ mit einem „liebenden Blick auf ihre Wunden“. Ein gutes Leben aller und überall mit einem fairen Handel weltweit sei auch vom Vaterunser und der Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ mitintendiert. Egoismus versündige sich am „gemeinsamen Haus der Erde“, an Gott und den Menschen, welche doch „Ebenbilder Gottes“ seien und auch so leben sollten. „Wir sind gerufen zur Gemeinschaft“, schloss der Bischof seine Predigt.