Zur Kirche gehört die Ästhetik (Mittwoch, 21. Februar 2018 13:36:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

Aschermittwoch der Künstler

Zur Kirche gehört die Ästhetik

REGENSBURG (al/md) – Zum „Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler im Bistum Regensburg“ waren rund 200 Kunst- und Kulturschaffende aus dem ganzen Bistum in die Minoritenkirche in Regensburg gekommen, um mit Bischof Rudolf Voderholzer einen Wortgottesdienst zu feiern und sich ein Kreuz aus der geweihten Asche auflegen zu lassen. Anschließend trafen sich die Künstler und Bischof Rudolf im „Leeren Beutel“ mit Professor Markus Lüpertz, der dort ein Gespräch über Glaube, Kirche und Kunst führte.
Bischof Rudolf Voderholzer feierte den Wortgottesdienst mit dem Künstlerseelsorger des Bistums, Domvikar Werner Schrüfer, sowie Diakon Peter Nickl. Auch der bekannte Künstler Professor Markus Lüpertz nahm am Gottesdienst teil.
Studenten der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik (HfKM) Regensburg  sangen das „Misere“ und schufen damit im Kirchenraum eine fast unwirkliche, höchst geistliche Atmosphäre. Diese Komposition hatte Steven Heelein, Professor der HfKM, für diesen Anlass geschrieben. Professor Heelein hatte auch die Leitung für die gesamte beeindruckende musikalische Gestaltung dieses Wortgottesdienstes inne.
Künstlerseelsorger Werner Schrüfer begrüßte die Anwesenden zu diesem besonderen Anlass und dankte dem Bischof, dass er dem Wortgottesdienst vorstand. Bischof Rudolf Voderholzer erklärte, dass die 40 Tage Fasten dabei helfen würden, den Geist zu Gott zu erheben. Es gehe nicht um den Verzicht allein.
Auch in seiner Predigt befasste sich der Bischof mit dem Thema Verzicht und Enthaltsamkeit. In der Fastenzeit könne man sich der Sucht und Abhängigkeit entledigen und frei werden für das Wesentliche, nämlich die Hinwendung zu Gott.
Außerdem thematisierte der Bischof die Frage, wieso der von der Kirche eingesetzte Tag der Künstler ausgerechnet auf den Aschermittwoch gelegt worden sei. Dies sei der Überlegung entsprungen, dass der Aschermittwoch die Vergänglichkeit und die Vorläufigkeit des menschlichen Lebens darstelle, sagte der Bischof. Hier begegneten sich Kirche und Kunst. Der Aschermittwoch stehe auch für die Zeit des Neuaufbruchs. Gerade die vielfältigen Charismen der Künstler würden die Menschen einladen, dem Leben neue Perspektiven zu geben. Sie würden helfen, in einer „Zeit der furchterregenden Beschleunigung“ die Langsamkeit im Leben wiederzufinden.
Künstler, so der Bischof, steckten auch an, die Ehrfurcht vor der Unbegreiflichkeit vieler Phänomene zu bewahren. Der Bischof erklärte, dass die Menschen den Künstlern dankbar sein sollten, denn sie würden helfen, viele Fragen des Lebens auszudrücken, die Geheimnisse vieler Dinge zu entdecken und auch neue Fragen zu finden, die „in uns wohnen und für die wir selbst bis jetzt vielleicht nicht die richtigen Ausdrucksformen gefunden haben. Die Künstler helfen uns, unsere eigene Unzulänglichkeit und die Vorläufigkeit der Welt auszuhalten, und stacheln uns an, die vollkommene Welt zu ersehen. Genau darum geht es beim Aschenkreuz“, sagte der Bischof. Im Anschluss an die Homilie wurde den anwesenden Künstlern und Kulturschaffenden das Aschenkreuz aufgelegt.
Nach dem Gottesdienst trafen sich die Künstler und Bischof Rudolf im „Leeren Beutel“ mit Professor Markus Lüpertz, der ein Gespräch mit Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg, und Andrea Madesta, Galeristin und frühere Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg, führte. Für die virtuos dargebotene musikalische Einlage sorgte der Pianist Lorenz Kellhuber von der HfKM. Der Saal im „Leeren Beutel“ war voll besetzt.   
Professor Markus Lüpertz wurde 1941 in Reichenberg geboren. Der Maler und Bildhauer ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart. Die meisten seiner Werke zählen zum Neoexpressionismus. Professor Lüpertz war von 1988 bis 2009 Rektor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Er konvertierte als junger Mann zum katholischen Glauben.
Im „Leeren Beutel“ erklärte Professor Lüpertz, dass er damals eine geistige Heimat gesucht und diese in einem Kloster gefunden habe. Er habe dies nie bereut. „Jeder Mensch sucht Gott. Ich habe eine private Vorstellung von Gott, mit der ich leben kann“, sagte Lüpertz.
Der Glaube sei ein Prozess, im Laufe dessen man ständig geprüft werde, erklärte er weiter. Es gelte, den Glauben mit der Realität zusammenzubringen. Dies finde im Mysterienraum der Kirche statt. Doch sollte dies, mahnte der Professor, nie zur Routine werden.
Er erklärte dies am Beispiel der Sixtina in Rom, deren Kunst durch die großen Touristenmassen verschwinde. Die Proportionen würden zerstört, die Kunst würde sich regelrecht zurückziehen. „Kunst darf man nicht der Masse ausliefern“, sagte Professor Lüpertz. Dahingegen sei in einem Kirchengottesdienst alles ausgewogen. Kunst sei für die Kirche äußerst wichtig, denn zur Kirche gehöre die Ästhetik. „Menschen brauchen das Theater. Das Mysterium ist ein Spiel, das das Leben reicher macht, und es muss da sein“, sagte Professor Lüpertz.

21.02.2018 - Bistum Regensburg