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Containersiedlung als Brennpunkt

Bischof: Rom agiert planlos gegenüber Roma

Roms Weihbischof Paolo Lojudice hat der Stadtregierung Planlosigkeit im Umgang mit der Minderheit der Roma vorgeworfen. „Gewaltaktionen“ wie die Räumung von Camps führten zu nichts, sagte der für Sozialfragen zuständige Geistliche dem bischöflichen italienischen Pressedienst SIR (Mittwoch). Anfang Juli hatte die Stadt Rom von ihr selbst bereitgestellte Wohncontainer für rund 450 Menschen teilweise zerstören lassen. Der europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hatte Dienstag die Räumung untersagt und die italienischen Behörden aufgefordert, zuerst die Frage der Unterbringung zu klären.   

Lojudice sagte, falls die Stadtverwaltung unter Bürgermeisterin Virginia Raggi die Einschüchterung und Vertreibung der Roma zum Ziel habe, sei dies eine „verfehlte Lösung und Analyse“. Mit ihrem Angebot von Geld für - nicht verfügbare - Mietwohnungen lasse die Stadt notwendige „Zwischenschritte“ aus. Lojudice schlug stattdessen vor, jeweils zwei bis drei Familien eine Parzelle für die Errichtung einer dauerhaften Behausung bereitzustellen. Für ein solches Modell gebe es erfolgreiche Beispiele, allerdings lasse sich das „nicht improvisieren“.

Im Brennpunkt steht eine Containersiedlung am Tiber im Norden außerhalb der italienischen Hauptstadt. Das Camp galt als gut organisiert, die meisten Kinder besuchten Schulen. Dennoch beschloss die Stadtverwaltung eine Auflösung bis Mitte Juni. Die Umsetzung scheiterte laut Medienberichten unter anderem daran, dass die Betreffenden keine Mietwohnungen fanden. Roms Bürgermeisterin Raggi versuchte zuletzt mit finanziellen Anreizen, die Familien zur Ausreise nach Südosteuropa zu bewegen.

KNA

26.07.2018 - Diskriminierung