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Nach einer Meuterei und Straßenprotesten

Malis Präsident zurückgetreten - Appelle zu Dialog

Nach einer Meuterei und Straßenprotesten ist in der Nacht zu Mittwoch Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita zurückgetreten. Zuvor hatten meuternde Soldaten ihn sowie Premierminister Boubou Cisse festgesetzt. Seinen Rücktritt gab Keita in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen ORTM bekannt. Er sagte, er wolle weiteres Blutvergießen vermeiden. Auch würden Nationalversammlung sowie Parlament aufgelöst.

Laut lokalen Medienberichten bereiteten Bewohner der Hauptstadt Bamko den aufständischen Soldaten einen jubelnden Empfang. Diese hatten am Dienstag in der Garnisonstadt Kati 15 Kilometer von Bamako entfernt Schüsse in die Luft gefeuert. Der Vorfall markierte den Beginn des Aufstands.

Internationale Organisation wie die Vereinten Nationen und die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS verurteilten die Entwicklung scharf. Ihre Vermittlungsversuche waren in den vergangenen Wochen immer wieder gescheitert.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) rief in der Nacht alle Seiten zum Verzicht auf weitere Gewalt auf. "Die Soldaten müssen in ihre Kasernen zurückkehren, die Festsetzung von Regierungsmitgliedern beendet werden."

Der 75-jährige Keita stand seit Monaten unter Druck. Kritiker halten ihm vor, zu wenig gegen die schwere Sicherheitskrise im Norden und Zentrum des Landes unternommen zu haben. Die Protestbewegung M5-RFP, deren Kopf der einflussreiche Imam Mahmoud Dicko ist und die seit Juni regelmäßig gegen die Regierung Keitas demonstriert hat, wirft dieser zudem Korruption und Vetternwirtschaft vor.

Der Sahel-Staat Mali steckt seit Jahren in einer schweren soziopolitischen Krise. Ein Grund dafür sind Anschläge verschiedener Terrorgruppierungen im Norden. Auch bekämpfen sich Milizen ethnischer Gruppen im Zentrum des Landes. 

Die Deutsche Welle dokumentierte am Dienstagabend die Stimmen von Demonstranten: "Wir haben es schon lange gefühlt, dass es mit dem Regime zu Ende geht. Es hat das das Land schlecht verwaltet. Sie haben alles falsch gemacht. Sie haben Geld aus dem Land gestohlen. Sie haben unterdrückt. Wirklich, wir wussten, dass das früher oder später passieren würde!"

Ein anderer sagte: "Dies ist das Ende des Martyriums des malischen Volkes! Wir sind heute hier [auf dem Platz der Unabhängigkeit], aber wir unterstützen nicht das Militär. Wir unterstützen unsere Republik, unsere Demokratie! Unsere Demokratie war Geisel eines scheinheiligen Regimes, eines Regime, das von Frankreich beherrscht wird. Das werden wir in Mali nie wieder akzeptieren. Wir werden eine wahre Demokratie aufbauen, die auf der Wahrheit beruht. Gleichheit zwischen den Menschen."

KNA

19.08.2020 - Afrika , Krieg , Politik