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Jubiläum in Altötting

Bruder Klaus, der „ewige Pförtner“

ALTÖTTING (red) – Am 22. Dezember 2018 jährt sich der Geburts- und Tauftag des heiligen Bruders Konrad von Parzham  zum 200. Mal. Das Datum wirft bereits seinen Schatten voraus und wird mit verschiedenen Veranstaltungen bedacht. Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres findet an diesem Samstag, 21. April, mit der Wiedereröffnung der neu renovierten Klosterkirche St. Konrad samt Altarweihe statt.

Altötting gilt als das katholische Herz Bayerns. Seit der Karolingerzeit werden im Inneren der Gnadenkapelle mit der berühmten Schwarzen Madonna die Herzen der bayerischen Herrscher bestattet. In den 1930er Jahren jedoch, erinnerte sich Joseph Kardinal Ratzinger in seinen Memoiren „Aus meinem Leben“, kam etwas Neues zu diesem Marienwallfahrtsort mit dynastischem Akzent hinzu. Für den späteren Papst Benedikt XVI. war das Erlebnis prägend, zu dem er 1934, als Siebenjähriger, an der Hand seines Vaters, 15 Kilometer weit von seinem Geburtsort Marktl bis zum berühmten bayerischen Wallfahrtsort marschiert war.

Die „kleinen Heiligen“

„Altötting empfing gerade in jenen Jahren neuen Glanz, als der ehemalige Pförtner Bruder Konrad von Parzham selig- und dann heiliggesprochen wurde. In diesem demütigen und grundgütigen Menschen fanden wir das Beste unseres Stammes verkörpert und durch den Glauben zu seinen schönsten Möglichkeiten geführt“, schreibt Ratzinger.

Und weiter: „Später habe ich oft nachgedacht über diese merkwürdige Fügung, dass die Kirche im Jahrhundert des Fortschritts und der Wissenschaftsgläubigkeit sich selbst am meisten dargestellt fand in ganz einfachen Menschen, in Bernadette von Lourdes etwa oder eben in Bruder Konrad, die von den Strömungen der Zeit kaum berührt schienen: Ist das ein Zeichen, dass die Kirche ihre kulturprägende Kraft verloren hat und nur noch außerhalb des eigentlichen Geschichtsstroms angesiedelt ist? Oder ist es ein Zeichen, dass der helle Blick für das Wesentliche gerade auch heute den Geringen gegeben ist, der den ‚Weisen und Verständigen‘ so oft abgeht (vgl. Mt 11,25)? Ich denke schon, dass gerade diese ‚kleinen‘ Heiligen ein großes Zeichen an unserer Zeit sind, das mich umso mehr berührt, je mehr ich mit und in ihr lebe.“

Wer war dieser Bruder Konrad, den Papst Pius XI. bei der feierlichen Heiligsprechung in Rom 1934 den „ewigen Pförtner“ genannt hat? Johann Evangelist Birndorfer, wie er bürgerlich hieß, wurde am 22. Dezember 1818 auf dem Venushof im Weiler Parzham bei Bad Griesbach geboren. Das elfte Kind tief im Glauben verwurzelter Bauern war schon als Bub ungewöhnlich fromm: Eher still, betete Hans gern für sich auf dem Schulweg oder bei der Feldarbeit und suchte jeden Streit zu schlichten. „Der Birndorfer Hansl ist ein Engel“, sagten die Leute. Als er 14 Jahre alt war, starb die Mutter, zwei Jahre später der Vater.

40 Jahre an der Pforte

Weil er seinen Wunsch, Priester zu werden, nicht verwirklichen konnte, blieb er als Knecht auf dem elterlichen Hof. Erst mit 31 Jahren trat er als Laienbruder in das Kapuzinerkloster St. Anna in Altötting ein. Sein Erbe, das er sich von seinen Geschwistern auszahlen ließ, verschenkte er. Nachdem er seine Gelübde abgelegt hatte, erhielt er den Ordensnamen Konrad und war ab 1852 als Pförtner tätig.

Über 40 Jahre lang hatte der von Haus aus eher zurückhaltende, fast schüchterne Ordensbruder bis zu 18 Stunden am Tag mit den Hunderten von Pilgern zu tun, die täglich an der Klosterpforte läuteten, und erfüllte ihre Bitten und Anliegen, soweit er konnte. Niemand, der zu ihm kam, ob Handwerksbursche oder Bettler, verließ ihn wieder mit leeren Händen.

Jede freie Minute betete er, oft nächtelang. In den späten Abendstunden betete er in der Alexiuszelle zum Tabernakel hin, wo er die Sorgen und Nöte, die ihm an der Pforte anvertraut wurden, niederlegte und wo er auch die Kraft für das rechte Wort schöpfte, das er den vielen Pilgern und Bittstellern mitgab. Jeden Morgen um fünf Uhr ministrierte er am Gnadenaltar der Schwarzen Madonna. Als ihm die tägliche Kommunion erlaubt wurde, empfing er sie frühmorgens, um bei anderen Gläubigen keinen Anstoß zu erregen. Die tägliche Betrachtung des Kreuzes lehrte ihn nach eigener Aussage die wahre Heiligkeit. „Das Kreuz ist mein Buch“, lautet sein wohl bekanntester Ausspruch.

Als er seines Alters und seiner Gebrechlichkeit wegen seinen Dienst aufgeben musste, konnte er von der Pforte doch nicht lassen. Er brach eines Nachts auf dem Weg dorthin zusammen, weil er befürchtete, man habe ein Läuten überhört, und starb wenige Tage später am 21. April 1894. Bei seinem Tod um 19 Uhr setzten die Glocken zum Angelusgebet ein. Wohl in weiser Voraussicht ließ der Guardian des Kapuzinerklosters Bruder Konrad auf dem Sterbebett ablichten – dieses einzige Foto, das von ihm existiert, ist heute im Original verschollen.

Ein echter Volksheiliger

Die Heiligsprechung 1934, die der Seligsprechung des unscheinbaren Bruders in der braunen Kutte schon vier Jahre später folgte, wurde von der Bevölkerung ganz bewusst als Kontrast zur braunen Diktatur wahrgenommene. Die anhaltende Beliebtheit des „ewigen Pförtners“ erklärt sich aus dem Umstand, dass Bruder Konrad als wahrer Volksheiliger wahrgenommen wird.

Gott und den Menschen gleichermaßen zugewandt, teilte er sie nicht in Gute und Böse ein, machte keinen Unterschied zwischen Fremden und Volksgenossen und hat weder die Sünder verurteilt noch die Frommen bevorzugt. Bis heute wollen unzählige Pilger seinen Beistand erfahren haben.

Die Klosterkirche St. Anna, in der Konrad seine letzte Ruhestätte fand, wurde 1953 in Bruder-Konrad-Kirche umbenannt. Derzeit leben in Altötting 32 Kapuziner und damit ein Viertel der deutschen Ordensprovinz. Der Altersdurchschnitt ist relativ hoch. Weltweit zählt der Orden an die 11 000 Mitglieder.

Anlässlich des 200. Geburtstags des heiligen Bruders Konrad von Parzham war das Gotteshaus seit Juni 2017 umfangreich renoviert worden. Zuletzt hatte eine solch große Sanierung in den 1950er Jahren stattgefunden. Neu angefertigt worden sind neben dem Altar unter anderem der Ambo, der Tabernakel und ein Wandrelief. Sie stammen von dem Künstler Friedrich Koller aus Laufen.

Für die Reliquien des Heiligen, darunter das Haupt und ein Finger, ist außerdem ein neuer Sarkophag aus Stein geschaffen worden. Der Schrein wird künftig auch einen behindertengerechten Zugang haben. Die Kosten für die Maßnahmen betrugen nach den Worten des  Kapuziner-Guardians und stellvertretenden Wallfahrtsrektors Pater Norbert Schlenker knapp unter zwei Millionen Euro. Mit einem Zuschuss des Bistums Passau, dessen dritter Bistumspatron Konrad ist, und mehreren Großspenden sei bisher rund ein Viertel der Summe finanziert.

Viele Veranstaltungen

Die Bruder-Konrad-Klosterkirche wird am 21. April um 10 Uhr mit einem Gottesdienst samt Altarweihe wiederöffnet. Dem Pontifikalamt steht der Passauer Bischof Stefan Oster vor. Die Messfeier wird aufgrund des erwarteten Andrangs von Gläubigen mittels Leinwänden auch in die Basilika Sankt Anna übertragen und ist über den Video-Livestream www.allround-tv.de sowie über Radio Horeb mitzuverfolgen.  

Am 22. April steht um 10 Uhr in Sankt Anna eine feierliche Orchestermesse mit Bruder Mauro Jöhri aus Rom, dem Generalminister der Kapuziner, auf dem Programm. Abends findet in Sankt Konrad die Uraufführung der „Bruder Konrad Kantate“ statt. Der Text stammt aus der Feder des Passauer Bischofs Stefan Oster, die Komposition schrieb Alwin Schronen.

Am 30. April wird Kardinal Seán Patrick O’Malley, Erzbischof von Boston, einziger Kardinal des Kapuzinerordens und Mitglied des engsten Beratergremiums von Papst Franziskus, bei einem Pontifikalamt um 15 Uhr den Kapuziner Thomas Maria Schied zum Priester weihen. Einen Tag später hält der Kardinal aus den USA um 10 Uhr den Gottesdienst zum bayerischen Sonderfest der Patrona Bavariae am 1. Mai.

Ein weiterer Höhepunkt wird die Freilichtaufführung des „Bruder-Konrad-Spiels“ durch die heimische Theatergruppe Halsbach sein. Die Vorstellungen finden am 16. Juni auf dem Parzhamer Venushof und am 17. Juni auf dem Vorplatz von Sankt Anna statt. In einer beliebten Szene des bereits vor 25 Jahren geschriebenen Stücks wirft ein von Autor Martin Winklbauer gespielter Handwerksbursche einen Teller Suppe, der ihm nicht schmeckt, zu Boden und erhält von dem unendlich geduldigen Pförtner einen neuen Teller mit „besserer“ Suppe.

18.04.2018 - Heilige