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Dorfhelferin Johanna Ortwein

„Monoton ist es nie“

WESSLING-HOCHSTADT –  Die 22-jährige Johanna Ortwein strahlt, wenn sie sich um Vieh egal welcher Art kümmern kann. Die Möglichkeit zu dieser, sie stets aufs Neue bereichernden Tätigkeit, ermöglicht ihr der Beruf der Dorfhelferin, den sie mit großer Begeisterung ausführt.

Um zu sehen, wie sich der Alltag bei Johanna gestaltet, besuchten wir sie auf dem Bauernhof ihres derzeitigen Arbeitgebers, einem Demeterbetrieb mitten in der kleinen Ortschaft Hochstadt, unweit von Weßling.  Dort ist sie für die nächsten Wochen eingesetzt, um die hochschwangere Bäuerin zu unterstützen. 

Diese erwartet ihr viertes Kind, und in Zeiten von Corona wollen die drei Geschwister Paul, Laura und Simon über den Tag hinweg zuhause liebevoll betreut werden. Nachdem diese Familie, in der sie schon einmal Dienst getan hat, Tiere aller Art hält, ist einiges geboten. Während sie erzählt, wie man Dorfhelferin wird, watscheln drei Gänse gemächlich über den Hof und beginnen den dort stehenden  Puppenwagen auseinanderzurupfen. Kurz zuvor hatte der kräftige Eber Fred, der ebenfalls neugierig seine Runden dreht, mit lautem Schepperer einen Schubkarren umgerissen in der Hoffnung, dort etwas Fressbares zu entdecken. 

Johanna Ortwein, eine junge Frau voller Tatendrang, erzählt, wie sie sich auf den Beruf, in dem sie erst seit Kurzem arbeitet, vorbereitet hat: „Nach der mittleren Reife bei einem Melkkurs im Rahmen der Ausbildung zur Hauswirtschafterin, habe ich meine Leidenschaft für Viecher entdeckt“, erzählt sie. Das kam für sie selbst völlig überraschend, hat sie doch keinen landwirtschaftlichen Hintergrund. Ihre Mutter ist Lehrerin an einer Montessori-Einrichtung. Dort war sie auch, um dann ihre Ausbildung zur staatlich geprüften Dorfhelferin anzuschließen. 

Schon während zahlreicher Lehrgänge, praktischer Aufgaben in Behinderteneinrichtungen sowie Alters- und Wohnheimen merkte sie, dass es sie ausfüllen würde, künftig mit Menschen und Tieren zu arbeiten. Sie will ihren Berufsalltag als eine Art Fürsorge für die Schöpfung verstehen. Gelegentlich kommt ihr auch das Fach Familienpsychologie zupass, wenn ein Trauerfall die zu betreuende Familie durcheinander gewirbelt hat. Was sie täglich von Neuem begeistert, ist die Vielseitigkeit ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit: „Monoton ist es nie.“

Feste Arbeitszeiten wie in vielen Berufen gibt es nicht, anstehende Arbeit muss einfach erledigt werden, egal ob werk- oder feiertags. Nachdem sie im Landkreis die einzige Kraft ihrer Art ist, kann sie über mangelnde Einsätze nicht klagen. Diese werden von ihrem offiziellen Arbeitgeber, der Katholischen Dorfhelferinnen & Betriebshelfer GmbH zugeteilt. Die Kosten für ihre Arbeit übernehmen in der Regel die Sozial- und Krankenkassen der Familien.

Zuständig für die Verwaltung und Koordinierung ist Steffi Kögel vom Starnberger Maschinenring. „Bei ihr gehen die Anträge auf Bewilligung ein, wobei sie sich von den betroffenen Kassen schon ab und zu großzügigere Entscheidungen wünschen würde.„Die knausern gern, obwohl tatkräftige Hilfe in der Familie oder auch auf dem Hof mehr als notwendig ist“, erzählt sie.

Renate Reitzig