Wo der Glaube spürbar lebt (Mittwoch, 25. September 2019 07:59:00) / Bistum Regensburg / Katholische Sonntagszeitung

Bischof Rudolf bei Feier „300 Jahre Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Bruderschaft“ in Train

Wo der Glaube spürbar lebt

TRAIN (pdr/sm) – „Haltet diese große Tradition hoch, damit der Glaube und der Sinn für das Leben lebendig bleiben“, appellierte Bischof Rudolf Voderholzer an die Gläubigen der Pfarrei St. Michael in Train und insbesondere an die Mitglieder der Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Bruderschaft. Anlässlich des 300-jährigen Bestehens dieser Gemeinschaft war der Oberhirte des Bistums zu Besuch in der Pfarrgemeinde und segnete die restaurierte Fahne der Bruderschaft.

Der stellvertretende Sprecher des Gesamt-Pfarrgemeinderates der Pfarreiengemeinschaft, Andreas Oberhauser aus Train, hieß die Geistlichen, Politiker sowie die Mitglieder der Bruderschaft herzlich willkommen. Er ging kurz auf die Geschichte der Bruderschaft und auf das jährliche Bruderschaftsfest im September ein. „Die Anliegen der Bruderschaft sind immer noch aktuell“, meinte Oberhauser und betonte vor allem deren Charakter als aktive Gebetsgemeinschaft. Er sprach auch der Schlossbesitzerin Theresa Decker seinen Dank dafür aus, dass die der Gottesmutter gewidmete Schlosskapelle seit dem Jahr 2000 wieder zugänglich ist und für Gottesdienste und zum Gebet genutzt werden kann.

„Wir wollen uns heute einreihen in die große Schar der Beterinnen und Beter. Das Beten führt uns nicht nur zu Gott, sondern auch zueinander“, begrüßte Ortspfarrer Franz-Xaver Becher im Gotteshaus die Gläubigen und besonders den „ersten Beter unserer Diözese“, Bischof Voderholzer. Dieser dankte für das „lange Wirken der Bruderschaft zur Stärkung des Glaubens in Train und Umgebung“ und machte deutlich, dass es bei der Verehrung der Herzen Jesu und Mariens nicht um Sätze oder Paragrafen, sondern um den Glaube gehe, um eine „Herzensbeziehung“.

Die Währung des Himmels

In seiner Predigt beleuchtete der Bischof das im Evangelium vorgetragene Gleichnis vom unehrlichen beziehungsweise ungerechten Verwalter, den Jesus sogar – wohl provozierend – für seine Handlung und die kriminelle Energie (oder auch Klugheit) lobt. Der Verwalter habe deshalb so gehandelt, „weil er die kleine Chance nutzt für sein persönliches Interesse und seine Familie. Er weiß um den Ernst der Lage, er überlässt sie nicht dem Zufall“, so Bischof Rudolf, der einen Bezug zum Jüngsten Gericht herstellte. „Wir alle werden als Verwalter unseres eigenen Lebens und unserer Talente Rechenschaft geben müssen. Im Himmel gilt eine andere Währung: das, was wir mit der warmen Hand verschenken. Das Leben ist es wert, bis in die letzten moralischen Tiefen ernst genommen zu werden“, vertiefte der Oberhirte und verwies auch auf den „barmherzigen Richter“. 

Diese Worte Jesu seien demnach Anlass für eine Gewissenserforschung – und zwar in Richtung der Dinge und Aspekte, die das Leben der Menschen wirklich tragen. Der Bischof nannte exemplarisch die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift, dem Gotteslob, die Sorge um uns anvertraute Menschen und die „Pflege der Innerlichkeit“ beziehungsweise den Einsatz für die „Schönheit der Seele“.

Natürlich ging Bischof Voderholzer auch auf das Bruderschaftsjubiläum ein, die Zeit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg, die von einer „unglaublichen Kraft in der Katholischen Kirche“ geprägt gewesen sei. Mit den vielen damals ins Leben gerufenen Bruderschaften sei das Bewusstsein gewachsen, „dass der Glaube auch von kleinen, überschaubaren Gemeinschaften unterhalb der Pfarrei lebt“, so der Bischof. 

Konkret rief er den Glaubensaustausch, bestimmte Formen der Frömmigkeit und das Beziehungsgeflecht in Erinnerung, das in Nöten für die Mitglieder greift. „Überall, wo die Initiativen lebendig sind, spürt und sieht man das“, erläuterte der Diözesanbischof im Blick auf die spirituelle Kraft und die Vertiefung des Glaubens durch die Bruderschaften. Daher sprach er seinen Dank für die seit 300 Jahren währende Tradition aus; zugleich bat er um deren Fortführung – das heißt auch um Gelegenheiten der Frömmigkeit und des sozialen Handelns. 

Am Ende des Festgottesdienstes segnete Bischof Voderholzer die restaurierte Fahne der Bruderschaft. Danach zogen die Gläubigen in einer langen Prozession zur Schlosskapelle, wo der Oberhirte nach dem Weihegebet der Bruderschaft den eucharistischen Segen mit der Monstranz spendete. Der Festgottesdienst wurde live von Radio Horeb übertragen.

25.09.2019 - Bistum Regensburg , Jubiläum