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Befreiung des KZ Auschwitz vor 75 Jahren

Mahnung zum Holocaustgedenken von Kirche und Politik

Anlässlich des Holocaustgedenktags rufen Vertreter aus Kirche und Politik zum Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus auf. Die katholischen Bischöfe Europas warnten vor einer verzerrten Darstellung der Geschichte. „Wir können nicht zulassen, dass die Wahrheit für unmittelbare politische Zwecke ignoriert oder manipuliert wird“, heißt es in einer Erklärung des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und der Kommission der Bischofskonferenzen der EU (Comece). Am heutigen Montag jährt sich um 75. Mal die Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen. Der 27. Januar wird jährlich weltweit als Holocaustgedenktag begangen.

Die Erinnerung an Auschwitz sollte nach den Worten der Bischöfe den Einsatz für Frieden, Versöhnung und das Lebensrecht jeder Nation und Kultur stärken. „Dieser Appell ist heute extrem wichtig, denn - trotz der dramatischen Erfahrungen der Vergangenheit - ist die Welt, in der wir leben, immer noch Gefahren und Manifestationen der Gewalt unterworfen, grausame Kriegen, Fälle von Genozid, Verfolgungen und diverse Formen von Fanatismus bestehen weiter“, betonen die Bischöfe.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland sprachen auch von einer eigenen „Schuldgeschichte“. „Der tief auch in den Kirchen verwurzelte Judenhass der früheren Zeiten nährte den Judenhass der Moderne. Auch diesem Schulderbe müssen sich die Kirchen stellen“, sagten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Sie riefen zugleich Politik und Gesellschaft dazu auf, Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten. Die „jüdischen Brüder und Schwestern“ müssten überzeugt sein können, dass die Christen an ihrer Seite stünden.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, äußerte unterdessen, dass der Antisemitismus in Deutschland und Europa in den letzten Jahren nicht zugenommen habe. Die Judenfeindlichkeit werde zwar oft von Zuwanderern aus dem Nahen Osten geschürt, sagte Primor im Inforadio des rbb. Die meisten Deutschen seien aber keine Antisemiten. Das liege daran, dass sie nach Krieg und Holocaust mit anderen Werten und humanistischen Ideen aufgewachsen seien. Dennoch gebe es einen konstanten Bodensatz von Antisemiten. „Diese Menschen, die früher geschwiegen haben, trauen sich jetzt wieder, ihre Ansichten zu verbreiten, weil Israel wegen der Besetzung der palästinensischen Gebiete an Ansehen eingebüßt hat“, vermutet Primor.

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, beklagte im Deutschlandfunk, dass die „Grenzen des Sagbaren verschoben wurden“. Gleichwohl sei unsere Gesellschaft in der Lage, „auch so kulturprägende, negative Entwicklungen zu überwinden“. Als Beispiel nannte er die „Überwindung des Hasses gegen Frankreich“. Es sei auch früher schwierig gewesen „für evangelische Familien im tief katholischen Oberbayern, sich niederzulassen, geschweige denn gemischtkonfessionelle Ehen dort zu haben“. Nach seiner Wahrnehmung sei dies absolut überwunden. „Und warum sollte uns das beim Antisemitismus nicht auch gelingen?“, fragte Klein.

Er kritisierte zudem, der Verfassungsschutz habe den rechtsextremistischen Terror in den vergangenen Jahren unterschätzt und „viel zu stark“ auf islamistische Gefahren geblickt. Deshalb werde der Dienst jetzt personell verstärkt.

KNA

27.01.2020 - Gedenken , Gesellschaft , Holocaust