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Statistik:

Vor allem Ärmere von Umweltbelastungen betroffen

Immer mehr Menschen in Deutschland sehen ihr Leben von Umweltverschmutzung beeinträchtigt. Waren es 2010 noch 21,1 Prozent der Bevölkerung, so gaben im vergangenen Jahr 25,2 Prozent an, umweltbedingten Belastungen wie Smog, unangenehmen Gerüchen und verschmutztem Wasser ausgesetzt zu sein. Das geht aus Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat aus der Erhebung EU-SILC hervor, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag) berichtet. Sie wurden von der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann ausgewertet.

Besonders stark belastet sind demnach Menschen mit geringen Einkommen. Unter Umweltverschmutzung litten nach eigenen Angaben 29,2 Prozent der Menschen, die von relativer Armut betroffen sind. Bei Personen oberhalb der Armutsgefährdungsschwelle waren es nur 24,5 Prozent.

Menschen gelten als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung haben. Laut Statistischem Bundesamt lag der Schwellenwert für Armutsgefährdung in Deutschland für Alleinlebende 2019 bei 1.074 Euro.

"Geringes Einkommen, schlechte Wohnlage, Umweltbelastungen, Gesundheitsprobleme und kürzere Lebenserwartung, all das geht oft Hand in Hand", sagte Zimmermann dem RND. Sozial Benachteiligte bezahlten daher doppelt, obwohl sie am wenigsten zu Umweltbelastungen beigetragen hätten. "Und sie werden auch noch überproportional herangezogen, um die Kosten für Umwelt- und Klimaschutz zu finanzieren", so die Sozialpolitikerin. Nicht der normale Verbraucher, sondern große Konzerne und die Industrie müssten stärker für Umweltschutz zur Kasse gebeten werden.

Zimmermann forderte zudem, beim Schutz vor Emissionen stärker Ortschaften und Viertel zu schützen, die überwiegend von ärmeren Menschen bewohnt werden - "und nicht die Wohngebiete der Wohlhabenden, die sich politisch oft besser durchsetzen können".

KNA

20.11.2020 - Armut , Deutschland , Umwelt