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Gedenktag am 18. Juli

Arnold von Arnoldsweiler – Ein Patron im Tagebaugebiet

Stolz und erhaben steigt der Backsteinturm der Kirche Sankt Arnold aus der Ortsmitte von Arnoldsweiler. Bereits aus der Ferne setzt er eine Landmarke, während im Hintergrund der Braunkohletagebau wie eine Großwunde klafft. Im Schatten des großen Kirchbaus liegt ein kleinerer und älterer, der es hinter seiner Bruchsteinfassade buchstäblich in sich hat: die Arnolduskapelle, auch Klein Sankt Arnold genannt, die ursprüngliche Pfarrkirche. 

Man betritt ein sakrales Juwel, eines der schönsten im Rheinland – mit dem Grab des heiligen Arnold, der um 843 verstorben sein soll. Den Schlüssel zum Kirchlein hat die 60-jährige Schwester There-sia Margareta. Sie wohnt nahebei in einer Vierer-Gemeinschaft der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus im ehemaligen Pfarrhaus. 

Wenige Lebenssplitter

Über den heiligen Arnold haben Geschichte und Sage nur wenige Lebenssplitter zusammengetragen. Er stammte aus schlichten Verhältnissen und schaffte es als Sänger und Harfenspieler an den Hof Kaiser Karls des Großen. Doch entfremdete er sich nicht vom einfachen Volk. Sein Herz schlug für die Notleidenden, für die er sich bei seinem legendären Ritt um den Bürgewald einsetzte, den wegen des Widerstands gegen den Braunkohletagebau bekannten Hambacher Forst. 

Arnold erbat vom Kaiser, so viel Forstland nutzen zu dürfen, wie er während eines Gastmahls im Dorf Genetsweiler – dem späteren Arnoldsweiler – umreiten könne. Der Herrscher willigte ein. Arnolds Pferd flog regelrecht davon und der Sänger schaffte es tatsächlich um ein riesiges Waldgebiet – der damalige Bürgewald war erheblich größer als der durch den Tagebau und durch Abholzungen beträchtlich geschrumpfte Hambacher Forst.

Unterwegs hatte Arnold mit dem Schwert Markierungen in die Bäume gekerbt, um seinen Anspruch auf das Land kenntlich zu machen. Die ärmlichen Gemeinden des Umlands konnten das Waldgebiet fortan nutzen, um das für sie so wichtige Brennmaterial zu schlagen. „Die Bewohner der nutznießenden Ortschaften sind dafür verpflichtet, anstelle der sonst gebräuchlichen Abgaben an den Inhaber der Forsthoheit Kerzen für den Altar Arnolds zu liefern“, schreibt Ruth Schlotterhose in ihrem Kirchenführer. Vom Wachszins ist die Rede.

Das Volk machte Arnold zum Heiligen. Seine letzte Ruhe fand er in der Arnolduskapelle. Ob der später vielfach beschädigte und veränderte Sakralbau von ihm selbst begründet wurde, ist ungewiss. Seither sind weit über 1000 Jahre vergangen. Arnolds traditioneller Gedenktag ist der 18. Juli, zu dem die Arnoldus-Oktav ansteht, in diesem Jahr wegen Corona allerdings sehr eingeschränkt. 

Die Vorhalle und die Gedächtniskapelle von Klein Sankt Arnold bescheren erste Überraschungen: mit eindringlichen Fresken des Malers Peter Hecker (1884 bis 1971), darunter ein Sensenmann hoch zu Ross und Christus, der sich symbolisch der Weltkriegsopfer annimmt. Daneben steht: „Wir bitten: Nimm auf, o Herr, die toten Krieger und des ganzen Krieges Opfer in deinen Frieden.“ Hecker hatte 1913 die Kirche schon einmal mit Fresken geschmückt. Bei der Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg trat er aufs Neue in Aktion.

Hinter einem Bogendurchgang und der Taufkapelle öffnet sich das Herzstück: die eigentliche Arnolduskapelle, der Höhepunkt für Wallfahrer und Besucher. Der Boden ist symmetrisch blaugrau-hell gemustert, über die Gewölbe zieht sich Heckers farbige Freskenpracht. Unter den Motiven findet sich Arnold mit der Harfe in Händen, wie ihn auch das Ortswappen zeigt. Im Gewölbe über dem spätgotischen Steinsarkophag, der den Reliquienschrein enthält, musizieren Engel in einem türkisfarbenen Sternenhimmel. Die Liegendfigur auf dem Hochgrab zeigt den bärtigen Heiligen in höfischer Tracht. 

Faszinierende Kapelle

Obgleich sie schon unzählige Male hier gewesen ist, kann sich auch Schwester Theresia Margareta der Faszination der Kapelle und ihrer Raumwirkung nicht entziehen. „Es gibt nichts Schöneres, als in diesem Heiligtum Dienst zu tun“, sagt sie. Knapp vier Jahrzehnte sind vergangen, seit sie nach einer hauswirtschaftlichen Lehre in den Orden eintrat: weil „ich mich dazu berufen fühlte und eine starke Sehnsucht spürte, diesen Weg in der Nachfolge Jesu zu gehen“. 

Den heiligen Arnold bewundert die Schwester für „die Vehemenz“, mit der er sich für die Armen einsetzte. Zudem sei er Patron „für eine gute Sterbestunde“, setzt sie hinzu und händigt zum Abschied ein Gebetskärtchen aus: „Allmächtiger und barmherziger Gott, du hast dem heiligen Arnold die Gnade geschenkt, dein Lob zu singen und in den Armen Christus zu erkennen und zu verehren. Mach uns auf seine Fürbitte treu im Glauben und beharrlich in der Liebe, damit wir an der Herrlichkeit Anteil erhalten, die er erlangt hat.“

Andreas Drouve

17.07.2020 - Gedenken , Heilige , Kirchen