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Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma:

„Der Glaube ist kein Doping“

Sie ist eine der populärsten deutschen Eisschnellläuferinnen aller Zeiten. Bis zu ihrem Karrierenende 2010 gewann sie drei olympische Goldmedaillen und errang 59 Einzelsiege im Weltcup. Am 11. Januar feiert Anni Friesinger-Postma ihren 45. Geburtstag. Im Exklusiv-Interview spricht die charismatische Frohnatur über ihren früh verstorbenen Vater, ihren Glauben und ihren Wertekatalog und ihren Einsatz für nachhaltige Kindermode.

Frau Friesinger-Postma, wie würden Sie sich in kurzen Worten selbst beschreiben?

Ich würde mich als einen authentischen, ehrgeizigen, warmherzigen, aber auch kreativen und dickköpfigen Menschenschlag charakterisieren.

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ja.

Ist Ihr 1996 verstorbener Vater Georg ein Fürsprecher bei Gott?

Das ist schwer zu beantworten. Sein Tod war ein Schock und ein sehr schwerer Schicksalsschlag für uns. Mit Anfang 40 zu sterben ist viel zu früh. Aber mein Vater war gläubig.

Kann man mit der Hilfe „von oben“ die erforderliche Hundertstelsekunde schneller sein als die Konkurrentin, wenn es etwa um WM-Gold geht?

Der Glaube ist kein Doping, aber er „pusht“ mich, relativiert und beruhigt mich zugleich. 

Weshalb sind im Sport und im „einfachen Leben“ Regeln und Normen so wichtig?

Ohne Regeln und Normen hätten wir eine Willkür uns Anarchie! Ein Spiel ohne Regeln ist nicht fair. 

Aus welchem Grund kommen Emotionen gerade im Sport so menschlich rüber?

Emotionen im Sport sind authentisch, voller Adrena­lin, spontan. Vielleicht nicht immer fair, aber so sind Menschen: mal mitfühlend, mal hart, aufgelöst oder gefasst, empathisch oder kühl.

Was macht für Sie das Schöne, das Spannende und das Unverwechselbare am Leben aus?

Ich liebe Design, das Neue und klare Normen und Werte, wie auch Nachhaltigkeit.

Für welche Werte steht Anni Friesinger-Postma?

Wenn man mich nach meinen persönlichen Werten fragt, so stehe für Authentizität, Erfolg, Nachhaltigkeit, Design-Affinität, Ehrlichkeit und Kreativität.

Haben Sie Idole oder Vorbilder? 

Meine Eltern und meinen Mann.

Müssen wir uns aufgrund der Corona-Pandemie von der sportlich angehauchten Maxime „schneller, höher, weiter“ verabschieden?

Sicherlich entschleunigt Corona gezwungenermaßen, aber als Unternehmer muss man in diesen Zeiten umso härter kämpfen, noch mehr arbeiten, aber auch kreativ sein, um selbst zu überleben und ein guter Arbeitgeber zu sein.

Sie haben ein Geschäft für nachhaltige Kindermode gegründet. Was bedeutet für Sie das Wort „Nachhaltigkeit“?

Echte Nachhaltigkeit ist ein wichtiger, neuer Begriff für hohe Qualität der Artikel und faire Löhne für die Produzenten und Arbeiter. Nachhaltigkeit ist für mich kein gratis Rückversand, der uns zur Maßlosigkeit verleiten könnte.

Interview: Andreas Raffeiner

07.01.2022 - Corona , Glaube , Sport