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Italienische Organisation:

Deutlich mehr Missbrauchsmeldungen

Die Zahl der Meldungen von Kindesmissbrauch in Italien ist nach Angaben des Kindernottelefons "Telefono azzurro" in den vergangenen beiden Jahren rasant gestiegen. So seien 2019 im Vergleich zum Vorjahr 70 Prozent mehr Fälle gemeldet worden, teilte die Organisation (Dienstag) mit. 2018 habe es bereits eine Steigerung von 68 Prozent gegeben.

Die Zahl der gemeldeten Fälle von Lockangeboten an Minderjährige im Internet stieg demnach um zehn Prozent (2019) beziehungsweise um sechs Prozent (2018). Anlass der Veröffentlichung ist Italiens Nationaler Aktionstag gegen Kindesmissbrauch (5. Mai).

Knapp die Hälfte der Opfer ist "Telefono azzurro" zufolge jünger als 10 Jahre; je ein Viertel gehören der Altersgruppe 11 bis 14 Jahre oder 15 bis 17 Jahre an. Laut den Informationen sind in 62 Prozent der Fälle Familienmitglieder die Täter.

Zum "Aktionstag gegen Pädophilie und Kinderpornografie" organisierte die Hilfseinrichtung am Dienstag eine Videokonferenz, unter anderen mit Familienministerin Elena Bonetti (Italia Viva). Der erzwungene Hausarrest während der Corona-Krise berge für Kinder wie für Frauen ein "enormes Risiko, Gewalt zu erleiden", so die Ministerin. Das bestehende Angebot eines Kindernotrufs müsse daher noch ausgebaut werden.

Der Vorsitzende von "Telefono azzurro", Ernesto Caffo, bestätigte das erhöhte Risiko während des Lockdowns. Weil auch unabhängig von den Umständen der Corona-Krise die gemeldeten Zahlen von Missbrauch weltweit wie in Italien stiegen, müssten der Kampf gegen Missbrauch und entsprechende Aufklärung verstärkt werden.

Caffo ist wie der deutsche Psychologe und Theologe Hans Zollner vom Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana unter anderem Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Beide warnten bei der Videokonferenz davor, im Einsatz von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Institutionen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen nachzulassen. Mit dem Lockdown habe vielmehr eine neue Phase des Kinderschutzes begonnen, so Zollner.

KNA

05.05.2020 - Corona , Italien , Missbrauch