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"Eine Beleidigung"

Weiter Kritik an Habermas für abgelehnten Preis aus den Emiraten

Philosoph Jürgen Habermas erntet Kritik für seine Ablehnung des "Sheikh Zayed Book Award", einer Auszeichnung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Sowohl Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse und Mitglied im wissenschaftlichen Komitee des Preises, als auch der katholische Bischof von Arabien, Paul Hinder, bedauerten die Entscheidung.

Die Verleihung des Preises wäre ein Anlass gewesen, Habermas' Positionen im arabischen Kulturraum noch bekannter zu machen "und damit die Auseinandersetzung der arabischen Gesellschaft mit seinem Werk zu fördern", sagte Boos dem "Börsenblatt". Eine bedeutende Anzahl der Werke des deutschen Philosophen und Soziologen sei ins Arabische übersetzt worden. "Zahlreiche Studierende und Forschende im arabischen Raum beziehen sich auf seine Philosophie und setzen sich mit seinen Arbeiten auseinander", erklärte Boos. Er halte es für wichtig, den Dialog aufrechtzuerhalten.

Der katholische Bischof für die Arabische Halbinsel, Hinder, kritisierte die Ablehnung der Auszeichnung durch Habermas ebenfalls. "Im arabischen Raum gilt die Gastfreundschaft als etwas Heiliges. Eine Einladung auszuschlagen, ist eine Beleidigung, außer es können schwerwiegende Gründe angeführt werden", sagte Hinder dem Schweizer Portal kath.ch. Der Schweizer Kapuziner ist Bischof von Arabien. Seine Kathedrale steht in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Emirate, wo der Preis im Rahmen der dortigen Buchmesse vergeben werden sollte.

Habermas hatte den Preis zunächst angenommen. Am Wochenende sprach er dann in einem Schreiben von einer "falschen Entscheidung, die ich hiermit korrigiere". Hintergrund seien die sehr engen Verbindungen der preisverleihenden Institution mit dem politischen System in den VAE, die er sich "nicht hinreichend klargemacht" habe, erläuterte der 91-Jährige.

Der mit einer Million VAE-Dirham (ca. 225.000 Euro) dotierte Preis steht unter der Schirmherrschaft des Kronprinzen von Abu Dhabi, Mohammed bin Zayed bin Sultan Al Nahyan. Er geht an Persönlichkeiten, die mit ihrem Werk zur Förderung der arabischen Kultur, zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander beigetragen haben. Habermas sollte die Auszeichnung für sein Lebenswerk erhalten.

Aus Sicht von Bischof Hinder ist die Zurückweisung ein Affront. "Habermas hätte den Preis trotz politischer Bedenken annehmen sollen. Mit der nachträglichen Verweigerung, den Preis anzunehmen, riskiert der Philosoph 'die aufklärende Macht des kritischen Wortes' zu schwächen, das dank Übersetzungen auch in den arabischen Raum hineinwirkt und sogar von Monarchen willkommen geheißen wird", sagte Hinder in Anspielung auf eine Formulierung von Habermas.

Die VAE bemühen sich um eine Annäherung an den Westen und arbeiten hierfür auch mit dem Heiligen Stuhl zusammen. Die Reise von Papst Franziskus 2019 nach Abu Dhabi und seine dort zusammen mit dem ägyptischen Gelehrten Ahmed al-Tayyeb unterzeichnete Erklärung zur "Geschwisterlichkeit aller Menschen" gilt als Meilenstein im interreligiösen Dialog.

KNA

05.05.2021 - Ehrung , Literatur , Nahost