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Vertuschung im Fall McCarrick?

Vatikan reagiert auf Vorwürfe von Ex-Nuntius Vigano

Mit einem Doppelschlag hat der Vatikan am Wochenende auf Vorwürfe des Ex-Diplomaten Carlo Maria Vigano gegen Papst und Vatikan reagiert. Am Samstagnachmittag veröffentlichte das vatikanische Presseamt eine eigene Erklärung, am Sonntagvormittag versandte es einen dreiseitigen Offenen Brief des Leiters der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, an Erzbischof Vigano.

Dieser hatte Papst und Kurie der Vertuschung im Fall des früheren Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick bezichtigt und Franziskus zum Rücktritt aufgefordert. In seinem Brief vom Sonntag schließt Ouellet Fehleinschätzungen der Kurie in Sachen McCarrick nicht aus. Gleichzeitig weist er nahezu alle Vorwürfe Viganos zurück und kritisiert umgekehrt das Verhalten des früheren Nuntius in Washington.

Zwar habe es Anweisungen an McCarrick nach seiner Emeritierung gegeben, er solle wegen Vorwürfen früheren sexuellen Fehlverhaltens gegenüber volljährigen Seminaristen ein zurückgezogenes Leben führen, bestätigt Ouellet. Dies seien aber keine "Sanktionen" durch Papst Benedikt XVI. gewesen, die Franziskus aufgehoben habe. In den Unterlagen der Kongregation fänden sich auch keine entsprechenden Dokumente mit Unterschriften der Päpste.

Seinen Brief schreibe er mit Erlaubnis von Franziskus, so Ouellet, basierend auf der Aktenlage in seiner Behörde sowie auf persönlichen Kontakten. Anders als heute habe es damals nicht genügend Beweise gegeben, die eine offizielle Sanktion gerechtfertigt hätten. Auch sei in den Unterlagen, die Vigano bei seinem Amtsantritt in Washington von der Bischofskongregation bekommen habe, der Name McCarrick gar nicht erwähnt.

Ouellet räumte ein, er frage sich heute, warum McCarrick trotz umlaufender Gerüchte in der Kirchenhierarchie so hoch habe aufsteigen können. Man müsse aber verstehen, dass päpstliche Entscheidungen stets von den Informationen abhängen, die jeweils vorlegt werden. Den verantwortlichen Personen grundsätzliche Verdorbenheit und Komplizenschaft vorzuwerfen, sei ungerecht.

Abschließend wirft Ouellet Vigano vor, vom Skandal sexuellen Missbrauchs profitieren zu wollen, um der moralischen Autorität des Papstes "einen unerhörten und unverdienten Schlag zu versetzen". Er ruft Vigano auf, aus seinem derzeitigen Versteck aufzutauchen, zu bereuen und sich mit dem Papst zu versöhnen.

Bereits am Vortag hatte der Vatikan darüber informiert, dass Papst Franziskus in der gesamten Kurie eine gründliche Untersuchung aller Akten zum Fall McCarrick angeordnet habe. Die relevanten Daten sollten "ermittelt, in ihren historischen Zusammenhang gestellt und objektiv bewertet werden". Dabei werde die Erkenntnis nicht ausgeschlossen, dass früher "Maßnahmen ergriffen wurden, die nicht im Einklang stehen mit dem gegenwärtigen Ansatz, dem Weg der Wahrheit zu folgen, wohin immer er führen möge". Die Ergebnisse würden zu gegebener Zeit veröffentlicht.

Die Erklärung vom Samstag bekräftigt, eine "Sonderbehandlung von Bischöfen, die Missbrauch begangen oder vertuscht haben", sei "eine Form von Klerikalismus, die nicht länger zu akzeptieren ist". Dabei erinnert der Vatikan an das geplante Treffen der Leiter aller Bischofskonferenzen im Februar im Vatikan. Bereits am Montag soll der Papst US-amerikanischen Medienberichten zufolge erneut mit der Führung der US-Bischofskonferenz zusammentreffen.

KNA

08.10.2018 - Papst , Vatikan , Weltkirche